CX LOUNGE Transkript #14

Die Digitalisierung als CX-Treiber in der Energieversorgung

Kai Vorhölter & Christian Grotholt

Zusammenfassung der Folge

In dieser Episode der CX Lounge spreche ich mit Christian Grotholt, CEO der 2G Energy AG, über Blockheizkraftwerke (BHKWs) und ihre Rolle in der Energiekrise sowie der Energiewende. Wir erörtern die Vorteile der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) für eine nachhaltige Energieversorgung und den Total Cost of Ownership (TCO) als Maßstab für Kundennutzen. Christian hebt hervor, wie moderne Technologien und intelligente Service-Konzepte die Effizienz von BHKWs steigern und gleichzeitig Klimagewinne sowie Kosteneinsparungen ermöglichen. Abschließend blicken wir auf zukünftige Herausforderungen und Chancen im Energiemarkt.

Sprecher:
Kai Vorhölter x Christian Grotholt

Kai Vorhölter:

[1:08] Ja, herzlich willkommen zu einer weiteren Folge der CX Lounge, heute aus dem schönen Münsterland. Und wir gehen heute ganz tief rein in die Energieumwende, die uns ja gerade alle sehr stark umtreibt. Mein Gast heute, Christian Grotholt. Der nicht nur CEO, sondern auch Gründer des weltweit agierenden BHKW-Bauers, wenn ich das so sagen darf, der 2G Energy AG ist.

Christian Grotholt:

[1:35] Vielen Dank.

Kai Vorhölter:

[1:36] Christian, vielen Dank, dass wir hier sein dürfen. Ich glaube, es ist die Folge besonders spannend, nicht nur aus unserem Grundthema Customer Experience, sondern natürlich bewegt uns das Thema Energieversorgung gerade alle sehr. Und wenn man dann über die erneuerbaren Energien spricht, dann ist ja immer schnell die Rede von Solar, Wind, etc. Aber welchen Beitrag eigentlich BHKWs dazu leisten können, das geht oft dann ein bisschen unter. Und ich glaube, wir werden heute nochmal erfahren, dass es durchaus ein sehr signifikanter Beitrag ist, den ihr da leisten könnt. Ich glaube aber, wir müssen mal dem einen oder anderen nochmal erklären, was das denn überhaupt ist. Vielleicht magst du damit mal einsteigen.

Christian Grotholt:

[2:19] Ja, gerne doch. Erstmal Kai, herzlichen Dank dafür, dass ihr uns heute hier besucht, dass wir heute auch die Möglichkeit haben, mal hier zu sprechen und eventuell auch die Chance eingeräumt zu bekommen, eben genau das, was du schon angesprochen hast, so ein bisschen auch das nochmal zu beleuchten, was wir hier machen, weil oftmals in der Öffentlichkeit oder auch in der Berichterstattung, die man so kennt, das Thema KWK, Kraft-Wärme-Kupplung, ist so der Oberbegriff, wo das BHKW auch dazu gehört. Das Blockheizkraftwerk, das sind alles ganz komische Worte, die nicht unbedingt einladend wirken. Umso wichtiger ist es uns halt hier auch das mal zu erläutern. Also das Blockheizkraftwerk gehört zu der großen Familie der KWK, der Kraft-Wärme-Kopplung.

Christian Grotholt:

[3:00] Es zeichnet sich dadurch aus, dass es eher vom Leistungsspektrum kleiner ist. Also wir sprechen über die fünf Hauptkomponenten eigentlich mal. Das ist der Hubkolbenantrieb, also auch als Motor bekannt, der den Generator antreibt. Und der Generator produziert somit elektrische Energie. Aber es wird ein Treibstoff eingesetzt und bei der Umsetzung, bei der energetischen Umsetzung wird auch Wärme freigesetzt. Und diese Wärme wird nicht wie beim Fahrzeug oder wie beim großen Kraftwerk einfach abgegeben, einfach ungenutzt vielleicht auch entsorgt, sondern wird über Wärmetauscher halt dem Heizungsnetz oder dem Prozess in der Fertigung halt zugeführt. Und so kommt es dazu, dass wir halt einen hohen Gesamtwirkungsgrad haben, durch die gekoppelte Strom- und Wärmeproduktion von 90 Prozent und mehr. Wow. Das macht es halt aus und kann vortrefflich eingesetzt werden, um halt CO2-Emissionen einzusparen, auch dann, wenn wir Erdgas einsetzen. Aber wenn wir die regenerativen Energieträger einsetzen, wie Biogas, Klärgas, Deponiegas oder auch grünen Wasserstoff, dann sind wir klimaneutral unterwegs.

Kai Vorhölter:

[4:06] Super. Und jetzt vielleicht nochmal, warum ist es gerade in Ergänzung jetzt der uns normalerweise bekannten erneuerbaren Energien, also Solar und Wind, warum ist es da auch eine vortreffliche Ergänzung?

Christian Grotholt:

[4:19] Ja, Wind und Sonne stehen ja bekanntlich nicht immer zur Verfügung. Es gibt ja leider auch gerade bei uns in der nördlichen Hemisphäre, wenn ich das mal so sagen darf, Tage, zum Teil auch Wochen, wo nur wenig Sonnenschein gegeben ist und auch der Wind nicht immer weht. Und diese dargebotsabhängige Energieproduktion mittels PV, Photovoltaik und Windkraftanlagen, die kann halt nicht sicher versorgen, Mensch und Wirtschaft. Es geht also darum, auch die Lücken zu füllen und genau da kommt die Kraft-Wärme-Kopplung, die dann sehr hocheffizient genau diese sogenannte Residuallast, das ist genau die Lücke, die sich ergibt, wenn der Bedarf da ist, aber Wind und Sonne gerade nicht, eben abdecken kann.

Kai Vorhölter:

[5:05] Und zwar, wenn ich das richtig verstehe, ja von zwei Seiten. Also einmal kann ich sehr kurzfristig die Energie in Spitzenzeiten, die ich benötige, auch produzieren. Aber gleichzeitig, wenn ich eine Überproduktion an erneuerbaren Energien habe, dann lassen sich ja immer mehr, wenn wir Richtung Wasserstoff und sowas denken, ja auch diese Energie dann wiederum speichern.

Christian Grotholt:

[5:26] Spitze, du hast dich schon damit beschäftigt, das merke ich schon. Also wir haben ja genau diesen Zielkonflikt, die regenerative Energieproduktion und deren Nutzung in Einklang zu bringen. Und weil wir eben genau diese Über- und Unterdeckung haben, brauchen wir eigentlich Speicher. Speicher, die befüllt werden können, wenn wir zu viel an Energie gerade haben und die dann da sind, wenn wir halt Mangel haben an Energie.

Christian Grotholt:

[5:54] Und so verstehen wir eigentlich auch unsere Technologie eben als Teil einer saisonal einzusetzenden Speichertechnologie. Batterien gibt es natürlich, die kennt auch fast jeder, aber die bezeichnen wir bei 2G als Kurzzeitspeicher. Und auch wenn du mit den Energieversorgern sprichst, dann sagen die ganz klar, okay, das kann vielleicht mal für Stunden, oftmals ist wirklich der Maßstab vier Stunden, dann mal dann wirklich auch Spitzen ausgleichen, Aber um wirklich eine dunkle Flaute mal über Tage hinweg wirklich zu kompensieren, dazu benötigen wir halt andere Speicherkapazitäten. Und jetzt kommt das Erdgasnetz eigentlich ins Spiel. Ein Erdgasnetz bei uns in Deutschland hat ein Speichervermögen von 55 Tagen Strombedarf, so ungefähr.

Christian Grotholt:

[6:42] Und man kann nicht nur Erdgas einlagern, sondern auch Wasserstoff. Und wenn dieser Wasserstoff über Elektrolyse grün erzeugt wird, womöglich durch Wind- und Sonnenstrom, dann macht das Ganze ganz großen Sinn. Und weil das halt in der Produktion mit den gerade genannten Elektrolyseuren nicht ganz so trivial ist, sollte man möglichst auch hocheffizient diesen Energieträger, den Wasserstoff, wieder zurückverstoben in Zeiten des Mangels, wie gesagt. Und die effizienteste Kraftwerksart die existiert, das ist die Kraft-Wärme-Kopplung, wie gerade schon versuchshalber erklärt, mit über 90 Prozent Wirkungsgrad, Gesamtwirkungsgrad und da haben wir dann genau diesen Lösungsansatz.

Kai Vorhölter:

[7:30] Und dieser Wirkungsgrad entsteht natürlich, dieser hohe, ja besonders dadurch, dass ihr quasi das Abfallprodukt nochmal erneut nutzt.

Christian Grotholt:

[7:37] Absolut, also das Abfallprodukt, Wärme, was auch beim Auto, beim Fahrzeug nicht genutzt wird, bei vielen Kraftwerken nicht genutzt wird, das genau fangen wir wieder auf. und leiten das einer betriebswirtschaftlichen Nutzung zu.

Kai Vorhölter:

[7:49] Im Gegenteil, also wenn wir sehen, was mit Atomkraftwerken in Frankreich gerade ist, da müssen wir sogar viel noch aufbringen, damit es überhaupt gekühlt wird.

Christian Grotholt:

[7:56] Ein Riesentier, genau richtig. Es war ja auch der Presse zu entnehmen, dass aufgrund des niedrigen Wasserstandes in den Flüssen die Atomkraftwerke in Frankreich nicht auf Vollast fahren konnten, weil einfach die Kühlung nicht mehr möglich war, wegen des Mangels an Wasser. Das ist schon sehr bedenklich und wir glauben, dass wir uns einfach nicht mehr erlauben können, wie in der Vergangenheit, dass wir halt nur bedingt die Energieeffizienz berücksichtigen. Es gilt halt wirklich auch, man nennt das auch Energy Efficiency First. Also die Kilowattstunden, die wir nicht mehr benötigen, die hätten natürlich den größten Wert. Aber bei der Umwandlung halt zur Strom- und Wärmeproduktion hoch effizient aufgestellt zu sein, ist ganz klar zukünftig angesagt.

Kai Vorhölter:

[8:47] Also gerade wenn wir über diese Doppelnutzen sprechen, daraus definieren sich ja dann für euch auch Zielgruppen, für die das dann besonders geeignet ist. Magst du da auch mal drauf eingehen? Wer ist denn ein typischer Kunde von euch?

Christian Grotholt:

[8:57] Ja, das Schöne ist ja, dass sehr viele Menschen einen Strom wie auch einen Wärmebedarf haben. Und das erklärt dann auch, dass unsere Kundschaft sehr, sehr divers aufgestellt ist. Wir können also vom Industriebetrieb über den Gewerbetreibenden, den Biogasanlagenbetreiber, die Kommune mit ihrem Hallenbad, aber auch, ich sage mal, die größeren Liegenschaften, die größeren Rathäuser und so weiter, die dann nur im Winterhalbjahr eben das BHKW als Heizung dann auch betreiben, aber gleichzeitig auch den Strom dann produzieren und eben dann auch vorgelagerte Netze entlasten. Also es gibt kaum Grenzen, will ich mal sagen. Ich musste im Ein- und Zweifamilienhausbereich sind wir nicht. Dafür haben wir halt nicht die passende Lösung und das ist auch nur bedingt zukünftig zu erwarten. Aber ich sage mal ab 20 Wohneinheiten und was sich sonst noch so an Liegenschaften, an Betrieben und an Prozessen so darstellt, da gibt es viele, viele, viele Anwendungsmöglichkeiten. Das Spannende, was sich immer mehr herausbildet, ist eigentlich, dass wir auch in Kombination mit der PV eigentlich eine tolle Lösung sein können. Man kann sich ja das vorstellen, wenn die Sonne hoch am Himmel steht, ja, dann produziert halt die Dachhaut den Strom und wenn das halt nicht der Fall ist, dann haben wir oftmals auch einen Wärmebedarf, ja, auch in den Hallen, in den großen Gebäuden, in den Stadien, wo wir überall sind. Und dann kommt halt die Kraft-Wärme-Kopplung zum Tragen. Also eine natürliche Partnerschaft von Kraft-Wärme-Kopplung und halt Photovoltaik.

Kai Vorhölter:

[10:35] Super. Ja, ich bin total begeistert wirklich von diesem Thema und ich finde es ganz wichtig, dass wir einfach mal darüber sprechen, weil vielen, glaube ich, genau diese Symbiose, die du gerade beschrieben hast, überhaupt nicht bewusst ist. Und jetzt bin ich schon so begeistert mit dir eingestiegen. Ich frage aber gerne meine Gäste immer vorab nochmal. Wir haben ja das Thema auch Customer Experience und darum soll es natürlich auch später darum gehen. Was, sage ich mal, ist für eure Kunden besonders wichtig an diesem Kundenkontaktpunkt? Nur einfach mal vorab. Du bist ja auch Konsument. Ich frage meine Gäste immer ganz gern. Was war dann in letzter Zeit mal für dich eine Erfahrung, eine Kundenerfahrung, wo du gesagt hast, wow, da habe ich mich richtig gut aufgehoben gefühlt?

Christian Grotholt:

[11:21] Mhm. Ja, gut aufgehoben haben wir uns natürlich, auch in der Zusammenarbeit mit port-neo, keine Frage, das ist auch nicht nur, weil du jetzt hier vor mir sitzt, sondern das hat schon auch großen Spaß gemacht, kreativ mit euch da zusammen das Ding dann, unsere neue Webpage zu entwickeln, um eben dort einen Lead-Generator dazu haben, der dann natürlich die Kontakte erst einmal auch schon zum Teil nicht nur herstellt, sondern auch verwaltet. Das Ganze geht dann ins CRM. Da haben wir wirklich so eine digitale Geschichte, die wir dann auch weitergeführt haben, bis nachher ins ERP und in Field Service. Aber du fragst es, wo ich mich als Kunde, so habe ich das verstanden, wo ich mich gefühlt habe.

Kai Vorhölter:

[12:03] Ich bin dankbar für die Schleichwerbung. Ich weiß, das war jetzt mega.

Christian Grotholt:

[12:06] Aber es geht natürlich immer darum, auch wahrgenommen zu werden, aus meiner Sicht. In den Bedürfnissen auch wirklich abgeholt zu werden. Und das versuchen wir auch bei 2G. Und das ist schon auch, da haben wir in 2020 mal über zwei, drei Tage einen Workshop gemacht mit dem Vorstand und haben dann wirklich auch festgestellt, dass das höchste Ziel, was wir bei 2G haben, ist der Kundennutzen. Das ist schon so. Alles ist dem Kundennutzen unterstellt und das findet sich auch in unseren Entwicklungen wieder, dadurch, dass wir gesagt haben, okay, wie können wir ihn denn dann messen, diesen Kundennutzen? Und das ist bei uns in der Technik halt über den Total Cost of Ownership, so nennt sich das dann. Also die Kosten Life Cycles, die wir beeinflussen können. Wir können nicht Total Benefit beeinflussen, also nicht die Gesamtwirtschaftlichkeit, sondern eher die Kosten, weil wir dort halt den Konsum schon auch mit beeinflussen, also den Kraftstoffverbrauch.

Christian Grotholt:

[13:03] Und da haben wir halt die Bestrebungen gehabt, einmal erst den Wirkungsgrad, den besten, wirklich auch in der Branche zu erreichen, danach dann aber auch den Service möglichst im Intervall zu verlängern, die Kosten runterzufahren, die verschiedenen Materialpaarungen zu finden, um auch Einzelkomponenten möglichst langlebig auszuführen, um am Ende des Tages den Kunden erfolgreich zu machen. Nur erfolgreiche Kunden machen uns erfolgreich, nur die, die unser Equipment erfolgreich betreiben können, machen uns erfolgreich und somit sind wir weiter in einem Boot. Und so versuchen wir eine Wir-Marke wirklich auch zu generieren bei 2G, ein sogenanntes Team-Branding, was uns auch sehr wichtig ist. Das geht intern los mit dem Duzen und es geht natürlich extern weiter mit dem auf eine Höhe sich unterhalten, weil wir am Ende des Tages beide ein Ziel haben, unser Kunde und wir, das Kraftwerk bestmöglichst zu betreiben mit der höchsten Verfügbarkeit, mit der höchsten Effizienz. Und so sollen sich die Leute bei uns wohlfühlen.

Kai Vorhölter:

[14:01] Finde ich wunderschönen Ausdruck. Ich habe ihn noch nie gehört, aber ich werde mir merken, eine Wir-Marke zu gründen. Ich glaube, besser kann man das Thema Customer Experience gar nicht beschreiben. Also wirklich eine echte Konzentrierung. Passt auch ganz gut. Häufiger Co-Moderator, ich hatte es dir im Vorfeld ja erzählt, ist ja Professor Pförtsch, der gerade mit dem Philip Kottler ein Buch geschrieben hat, Age-to-Age-Marketing, also Human-to-Human-Marketing, wo es genau um dieses Thema geht. Und wir haben das ja schon mehrfach jetzt in mehreren Episoden auch mit einfließen lassen, dass es ein komplettes neues Kundenbild eigentlich braucht, dass wir nicht mehr sagen, es geht darum, irgendjemanden möglichst zu schröpfen, sondern wirklich gemeinsam zu gewinnen. Das ist schon ein Paradigmenwechsel, glaube ich, in vielen Branchen.

Christian Grotholt:

[14:43] Wenn man darauf achtet, fällt es einem vielleicht auch bei der Neugestaltung des Webauftrittes auf, auch wenn man gerade mit den Marktbegleitern schon vergleicht, bei uns stehen erstmal Menschen, Gesichter, die dann natürlich für die verschiedenen Branchen mit der Unterschrift das ein bisschen erläutert, aber dass die Leute, wenn die sich dazu durchlegen, unsere Sache mal zu besuchen, dass sie sich auch sofort dann wirklich auch da wiedererkennen, abgeholt fühlen. Bei all dem, was wir tun, das ist auch wirklich immer wieder auch durch den Vorschlag glaubbar vermittelt, steht der Mensch im Mittelpunkt. Die Technik, die soll behilflich sein. Und wir versuchen auch, Ja, zu enttechnisieren sogar als Technologieunternehmen, zu enttechnisieren für den Kunden, für den Menschen. Und das Backend ist nun natürlich umso komplexer manchmal, wenn das Frontend vereinfacht wird. Das iPhone hat es ja auch vorgemacht, dass es unheimlich gut ankommen kann. Also insgesamt mögen wir es, mit Menschen umzugehen und wissen, dass es eigentlich sehr, sehr wichtig ist, dass man ihnen nicht nur das Gefühl gibt, sondern auch wirklich authentisch miteinander das Umgehen so pflegt, dass sie eben bedeutend sind.

Kai Vorhölter:

[15:50] Also da möchte ich ja schon nochmal gerne darauf eingehen, also wie man in eurem Bereich ja durchaus mit weltweit führende Technologie-Company sich als Ziel setzen kann zu enttechnisieren. Hast du da zufällig vielleicht kurz ein konkretes Beispiel parat, wo euch das schon an einer guten Stelle gelungen ist?

Christian Grotholt:

[16:09] Das geht eigentlich einher. Eins zu eins mit Digitalisierung. Gar keine Frage. Das, was man früher alles noch an Betreiberpflichten hatte, die tagtägliche Sichtkontrolle beispielsweise, das nochmal Kontrollieren der Füllstände, der Drücke und so weiter, weil es ja auch eine Einheit ist, wo viele rotierende Dinge dann sind, sich bewegende Einheiten sind und so weiter. Und so kann immer mal was passieren. Man kennt das ja auch vom Auto.

Christian Grotholt:

[16:32] Das wird heute alles weitestgehend halt digital überwacht. Das heißt also die Transparenz, die ja notwendig ist, um wie gesagt die Performance bestmöglich zu gestalten, aber auch Störabweichungen möglichst umgehend dann auch wieder zu beheben. Beispielsweise haben wir 70 Prozent der Störungen im letzten Jahr über die Ferne halt gelöst. Das sind genau diese Dinge, die wir hier ansetzen. um am Ende des Tages dem Kunden nicht nur das Gefühl, sondern auch wirklich das Erlebnis zu geben, We care. Wir machen das für dich. Du kannst dich weiter auf das konzentrieren, was du auch vorher schon getan hast. Du hast zwar jetzt dein eigenes Kraftwerk, was aber zu Standortversorgung und sogar systemdienlich für die Gesamtversorgung dann angesetzt werden kann, wenn wir nämlich auch zu Zeiten eines Mangels Elektrizität ins Netz der allgemeinen Versorgung verlassen. Das ist genau die Situation, also die Digitalisierung.

Kai Vorhölter:

[17:27] Das heißt, ich darf es mir so vorstellen, eure Maschinen kommen standardmäßig schon mit einigen Sensoren ausgestattet und sind dann mit der eigenen Cloud.

Christian Grotholt:

[17:37] Absolut. Sie sind also an unserem sogenannten IRIS-System angeschlossen. IRIS steht für Intelligent Report and Information System. Tausend dieser Anlagen sind dort angeschlossen und übermitteln ihre Werte. Und wenn es dort halt Abweichungen gibt, dann gibt es da eben diese Flaggen, wo dann auch eben der Diensthabende Servicetechniker und Travel Shooter womöglich dann sofort Bescheid bekommt, bevor der Betreiber davon Kenntnis hat. Ist es so, dass dann eben schon daran gearbeitet wird, dass die Anlage wieder in den normalen Betrieb überführt wird. Das kommt auch gar nicht so vor. Wir haben natürlich Verfügbarkeiten von 95 Prozent und mehr. Aber es kann immer mal wieder kommen, logischerweise. Und dann sind wir da sehr schnell. Wir nutzen natürlich aber auch dieses ERIS-System dazu, aus diesen gemachten Erfahrungen möglichst schnell zu lehren. Da ist also Artificial Intelligence natürlich auch dabei, die künstliche Intelligenz. Also da sind Algorithmen hinterlegt, die dann natürlich die Korrelation da mal so ein bisschen auch sich anschauen und dann womöglich Kausalitäten zu entdecken sind, um eben auch unsere Forschung und Entwicklung mit dem notwendigen Wissen aus dem Feld über diesen Weg zu versorgen.

Kai Vorhölter:

[18:44] Ein Thema ist ja das Thema, also wie kann ich dann meine Produktentwicklung optimieren? Auch da wieder, ich stelle mal eine andere Frage zurück, aber hattest du auch ein konkretes Beispiel, wo euch das schon diese Daten, die ihr erfasst habt, da auch wieder weitergebracht haben?

Christian Grotholt:

[19:00] Ja, eindeutig. Das war bei der Zündkerzenentwicklung. Da war es so, dass wir unheimlich daran arbeiten mussten, überhaupt erstmal die Parameter so gemessen zu bekommen, dass wir einen Wechsel der Zündkerze mitbekommen. Und dann natürlich die Alterung, da sind verschiedenste Parameter, das würde jetzt so weit führen, die man miteinander zu vergleichen hat und wo man dann okay erkennen muss, dann hat sie eigentlich nur noch 10 Tage Lebensdauer und dann sollte schon der Bestellvorgang voneinander kommen. Ohne diese Überwachungseinheit werden wir nie so weit bekommen. Wir sind gestartet mit einem Lebenszyklus von 800 Stunden und sind jetzt bei 4000 Stunden und mehr, die so eine Zündkerze hält. Und eben durch diese Überwachungseinheiten, durch dieses Lernen, welche Parameter sind denn wirklich wichtig, um das zu erkennen, wie lange sie noch hält, wie weit sie schon fortgeschritten ist in ihrem Lebenszyklus, das wäre ohne digitale Überwachung und auch Auswertung nicht möglich gewesen.

Kai Vorhölter:

[20:02] Also das heißt, da werden dann Parameter verändert am Betrieb der Maschine, damit einzelne Bauteile, wie in dem Fall die Zündkürze, länger hält.

Christian Grotholt:

[20:11] Ja, man schaut erstmal, welche Parameter notwendig sind, um den Stand im Lifecycle festzustellen, zum einen, zum anderen. Daraufhin nimmt man wieder neue Materialpaarungen, Anode und Kathode und so weiter, um dann zu schauen, okay, mit dieser neuen Kerze, mit ähnlichen Parametern, welche Erfahrung haben wir da? Ja genau, das ist dann natürlich klar. Also die Hardware muss dann auch schon nachgezogen werden. Es geht nicht nur immer über die Parameter, die dann zu verstellen sind, aber überhaupt die Erkenntnis ist über diesen Weg der digitalen Informationsbeschaffung erst möglich.

Kai Vorhölter:

[20:48] Und ich meine, was du jetzt auch schon angeschnitten hast, und da wollte ich auf jeden Fall auch mit dir drüber reden, weil ich finde das auch nochmal ein super relevantes Thema ist, man nennt es ja Predictive Maintenance. Also, dass ihr schon rechtzeitig erkennt, dass ein Bauteil ausfallen wird aufgrund gewisser Messergebnisse.

Christian Grotholt:

[21:05] Genau, absolut richtig.

Kai Vorhölter:

[21:06] Sodass ihr idealerweise dann schon das Teil geordert, vorbestellt wird oder sogar schon der Techniker disponiert wird.

Christian Grotholt:

[21:11] Genau, um diese Atok-Situation nicht eintreten zu lassen, was ja meistens unheimlichen Aufwand nach sich zieht und geplante Stillstände sind natürlich zu vermeiden. Und genau um das eben nicht eintreten zu lassen, diese sogenannte Predictive Maintenance, vorhersehbare, vorschaubare oder wie nennt sich das? Präventive, genau, präventive, so ist es richtig ausgedrückt, Instandhaltung und Wartung. Und das ist natürlich für alle Beteiligten, also hat sich das sehr, sehr toll ausgezeichnet. Denn wir hatten wirklich am Anfang sehr junge Produkte, die wir schon in den Markt gebracht haben, sogenannte Bananen. Man spricht ja auch von Bananenprodukten zum Teil.

Kai Vorhölter:

[21:57] Die sind auch grün und reifen danach.

Christian Grotholt:

[21:59] Das passiert erst beim Kunden. Aber da sind wir Gott sei Dank drüber weg. Es hat wirklich auch Zeiten gegeben, wo man uns gesagt hat, liebe Leute, das werdet ihr nicht überstehen als 2Gler. Ihr fangt da an, in einer Tiefe weiterzuentwickeln. Das wird euch erst aus den Händen gerissen aller Wahrscheinlichkeit nach, weil jeder das Innovative will. Und nach zwei Jahren werdet ihr überschüttet mit Gewährleistungsanträgen. Dann wird es schwer. Dann dauert es noch fünf Jahre. Das sagen wir euch jetzt schon mal. Und dann seid ihr nicht mehr dabei.

Kai Vorhölter:

[22:29] Mittlerweile sind es 27 Jahre.

Christian Grotholt:

[22:32] So sieht es aus. Da sind wir jetzt drüber weg über diese harten sieben Jahre. Aber es hat schon echt einiges an zusätzlichen Einsätzen gebraucht. Und da darf ich mich jetzt auch nochmal vielleicht bei jedem einzelnen Kollegen und bei jeder einzelnen Kollegen, die das mit durchgemacht hat, bedanken. Da waren wir aber auch noch, muss man dazu sagen, im Altersdurchschnitt sind wir heute 36. Da waren wir halt noch viel jünger und haben das dann so auch aushalten können.

Kai Vorhölter:

[22:54] Ich glaube, 36 ist immer noch Dynamik.

Christian Grotholt:

[22:58] Ich bin dann einer, der mit den grauen Haaren.

Kai Vorhölter:

[23:00] Ja, da gehöre ich auch dazu.

Christian Grotholt:

[23:02] Aber es hat Spaß gemacht in all den Jahren. Viele natürlich sind auch bis heute dabei geblieben und das macht auch Spaß, jetzt die Erfolge zu sehen.

Kai Vorhölter:

[23:10] Du hattest eben gesagt, Okay, klar, ihr könnt am meisten das Thema Kosten beeinflussen und darauf konzentriert ihr euch erstmal. Aber nochmal, unser Thema ist ja Customer Experience und damit geht es natürlich schon auch um den Kundenbenefit. Und da ist natürlich auch genau das Thema Betriebszeit schon auch sehr mit dem Kundennutzen, sage ich mal, vereinbart. Ich sage mal, wenn das Heimbad kalt ist, finde ich es doof. Oder wenn ich irgendwo im Krankenhaus friere, hat ja wirklich unmittelbarer Einfluss auf meine Zufriedenheit, auch des mittelbaren Kunden. Oder ihr habt natürlich auch viele professionelle Energieerzeuger. Absolut. Für die ist ja dann wirklich jede Stunde Betriebszeit, die fehlt, bares Geld. Weil dann fällt denen Umsatz.

Christian Grotholt:

[23:53] Genau, um da wirklich das gerade umrissene Schreckensszenario nicht eintreten zu lassen. Dafür gibt es auch diese Vollwartungsverträge, so heißen die dann. Vollwartungsverträge, das beinhaltet, dass man pro Betriebsstunde als Kraftwerksanbieter und auch vielleicht derjenige, der es implementiert hat an diesem Standort, Dann bekommt man ein Fee, das ist ein Kostenansatz, das ist eine Pauschale. Das ist aber dann für den Geschäftswerfer oder für den Auftraggeber wichtig zu wissen, okay, da kann ich einen Haken dann machen, denn es gibt dort eine Verfügbarkeit, die ist 95 Prozent und wenn die nicht eingehalten wird, dann gibt es auch sogenannte Pönalen. Ja, dass man eben dann auch dafür gerade steht als Anbieter, wenn eben die Leistung, die zugesicherte, nicht eingehalten wird. Und wir sind so überzeugt eben aufgrund der Symbiose aus Hard- und Software, dass wir eben genau diese Dinge auch nicht nur versprechen, sondern auch einhalten können. Und somit ist das eigentlich ein Risiko, was er auch wirklich auf unserer Seite dann sich wiederfindet. Wir wissen, was wir da tun und da kommt ja unser Spruch dann am Ende des Tages zum Tragen. Nur erfolgreiche Anwendungen machen uns erfolgreicher und dann legen wir uns da quer. Nochmal ohne Digitalisierung wäre diese Transparenz nicht möglich.

Kai Vorhölter:

[25:22] Stark, stark. Lass uns doch vielleicht nochmal, weil es ist natürlich jetzt gerade, wir haben es gerade eben angesprochen, eine sehr besondere Zeit. Wir machen uns sehr viel plötzlich Gedanken, was hohe Energiepreise bedeutet. Ich meine, das war vorher schon ein Thema, aber jetzt ganz besonders, was bedeutet das für unseren Wirtschaftsstandard Deutschland? Es geht aber auch immer mehr um überhaupt Verfügbarkeit. Da haben wir nochmal ganz andere Komponente, also gar nicht mal zu sagen, ja, kann ich es mehr leisten, sondern ist die überhaupt da? Könntest du nochmal, gerade generell was euer Wirken jetzt Bezug auf den aktuellen energiepolitischen Diskurs bedeutet, dass du das mal ein bisschen beleuchtest für uns.

Christian Grotholt:

[26:06] Also ein Drama, was sich da abspielt, gar keine Frage, ein menschliches Drama in der Ukraine und da wollen wir hoffen, dass sich das wirklich auch in näherer Zukunft dann wieder übergeben wird oder dass wirklich da der Frieden wieder ergibt. Das ist der Frieden. Wer hat sich das vor Augen halten können, noch vor wenigen Monaten, dass so etwas sich ergibt? Das hat natürlich schon auch auf unser Geschäft bedingt Einfluss, dadurch, dass wir natürlich auch noch den Erdgas einsetzen.

Christian Grotholt:

[26:47] Mehr und mehr natürlich Biogas, immer mehr natürlich auch Wasserstoff negativen Ursprungs. Aber es gibt halt nicht genug von diesen gerade genannten Treibstoffen derzeit. Und ich glaube, es ist auch illusorisch, auch wenn es sehr unpopulär ist, was ich jetzt sage, dass wir ohne diese Brückentechnologie Erdgas oder Brückenergieträger Erdgas das so schwerlich schaffen werden. Kohle ist auch nur bedingt verfügbar und wir haben es ja auch gesehen, wenn die auch da wieder die Flüsse nicht genug Wasser haben, dann können die Boote nicht fahren und auch nicht genug Kohle an die verschiedenen Kraftwerkstandorte und die CO2-Mission ist wirklich bedeutend höher um das Doppelte, um das Dreifache im Vergleich zum Erdgas, wenn man da die, wie gesagt, Kraftwärme-Kopplung ansetzt. Es geht also darum, aus unserer Sicht möglichst schnell wirklich dann auf die regulative Energie umzustellen, schneller als vielleicht noch geplant. Wir haben die Werkzeuge, wir können das. Wir bräuchten vielleicht hier und da noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit, vielleicht das ein oder andere noch an Blockade weggenommen, auch durch die Politik.

Christian Grotholt:

[27:59] Und dann bin ich zuversichtlich, dass wir wirklich dieses politische Ziel, es hört sich 2045 noch weit weg an, aber es sind nur noch irgendwo die 22 Jahre, dass wir es dann schaffen können. Wenn wir eben jetzt es nicht zu einer, ich sag mal, Desozialisierung kommen lassen, sondern wirklich gemeinsam die Dezentralität vorantreiben, die verschiedenen Kraftwerksarten, die womöglich regenerativ, weites, weites gehen. Wir brauchen dort eine Beschleunigung. Und wir können mit unserer Technologie eben beides. Wir können hocheffizient, 90 Prozent Wirkungsgrad, effizienter als jede andere Energieumwandlungseinheit eben das Gas umsetzen, auch das…

Kai Vorhölter:

[28:46] Dann teurer oder nicht mehr so viel verfügbar.

Christian Grotholt:

[28:49] Und es ist ja auch eine Fehleinnahme, dass jetzt manche meinen, es gab wirklich auch Kunden von uns, die haben ihr Blockheizkraftwerk ausgestellt, weil sie sagten, das Gas ist zu teuer, das rechnet sich nicht mehr. Dann haben wir dann aber über den Service natürlich, wie ich schon sagte, über unsere Überwachungseinheiten da angerufen, was ist los? Wir kriegen hier eine Meldung, ist es abgeschaltet? Ja, ja, wegen des Gases, das ist zu teuer. Stopp. Strom ist auch sehr teuer geworden. Ja, das habe ich gehört. Aber das kann ich mir nicht vorstellen, dass es noch die Wirtschaftlichkeit gibt.

Christian Grotholt:

[29:22] Die haben uns, also der eine hat uns wirklich dann 14 Tage später wieder angerufen und hat gesagt, ich habe es schnell wieder eingeschaltet. Ich habe dann nochmal mit meinem Energieversorger gesprochen und es wäre unglaublich teuer geworden. Also habe ich es dann doch wieder eingeschaltet. Das heißt also, man sieht auch wirklich in der Praxis, dass es Leute gibt, die immer noch auch über Blockheizkraftwerke dort Energiekosten einsparen. Und was auch, glaube ich, wichtig ist hier zu sagen, wir können die vorhandenen Kraftwerke am Standort selber umbauen auf den Wasserstoffbetrieb. Mit nur wenig, ich sage mal, finanziellem Aufwand, insbesondere da nicht, wenn sowieso eine Revision vorgenommen werden muss nach circa 40.000 Stunden, so die Hälfte der Lebensdauer. Und wenn man dann im Zuge dieser Revision eben die Komponenten ändert und noch ein paar peripheren Einheiten zusätzlich ergänzt, dann sind sie auch Wasserstoff-ready. Also Zukunftsfähigkeit auch da gegeben. Und das würden wir gerne machen. Wie gesagt, im Konzert mit Wind und Sonne und Batterien und Wärmepumpen halt. Wir als Rückgrat-Technologie, als Bass-Trommel, die dann weiterschlägt, auch dann, wenn die ein oder andere Solostimme nicht mehr da ist. Dafür sind die Kraftwerke-Kopplungs-Einheiten auch von 2G, nicht nur von 2G, sondern auch von 2G da.

Kai Vorhölter:

[30:34] Ja, sehr stark. Und ich meine, wir hatten es im Vorgespräch ja auch schon kurz gehabt, was ja auch nochmal ganz wichtig ist. Es geht ja nicht nur darum, dass ich quasi durch einen großen Energieverbraucher erstmal nur an mich denke, sondern dass die Konzepte ja so weit gehen, wirklich auch, wenn ich dann mehr Energie oder Wärme, ich sage mal, für mich produziere, als ich es eigentlich brauche, dass ich das wiederum auch in die Netze zurückspiele.

Christian Grotholt:

[30:59] Super.

Kai Vorhölter:

[30:59] Und damit dann auch einen Gesamtbeitrag für die Gesellschaft wieder leisten.

Christian Grotholt:

[31:03] Ganz entscheidend, ganz entscheidend, weil viele meinen ja, okay, diese Standort- oder diese Eigenversorgung, das ist was für Privilegierte. Wo ist denn, um Gottes Willen, unser Gesamtsystem? Wenn man sich aber mit diesen Thematiken vielleicht weitergehend beschäftigt, dann kommt man schnell darauf, dass genau das eintritt, was du beschrieben hast, dass genau wir auch eben diese Systemdienlichkeit haben. Wenn wir früher, wenn ich früher sage, meine ich vor zehn Jahren, ein Blockheizkraftwerk, eine Kraft-Wärme-Kopplung, das ist ja das Gleiche, also verschiedene Begrifflichkeiten, aber für einen Standort ausgelegt haben, haben wir ihn ausgelegt auf ungefähr 6.000 Benutzungsstunden, von 8.760 Stunden, die wir im Jahr haben. Also sollte das möglichst lange laufen, weil das ja auch eine gewisse Investition ist. Also nur wenn was umgesetzt wird, kommt die Investition wieder zurück.

Christian Grotholt:

[31:50] Mittlerweile ist es aber so, auch vom Gesetzgeber gewollt, dass wir eigentlich eher die Einheit auf die Hälfte, auf 3.000, 3.500 Stunden auslegen, um im Winterhalbjahr, wenn meistens dann auch die Sonne nicht scheint, eben genau da zu kompensieren und genau dann nicht nur für den Standort den Strom zu machen, sondern auch fürs vorgelagerte Netz. Da gibt es Direktstromvermarkter, die das heute schon machen. Auch da wieder diese komische Zahl, 70 Prozent. Nein, aber die 70 Prozent unserer Anlagen sind wirklich heute schon an einem Direktstromvermarkter angeschlossen, die dann eben die Signale des Hochfahrens senden, wenn eben am Kapital oder an der Börse, am Strommarkt halt dort die hohen Preise dann irgendwo winken. Und das geht ja nur einher mit dem Mangel. Klar, wenn Strommangel da ist, gibt es die hohen Preise und dann kommen die Direktstromvermarkter.

Kai Vorhölter:

[32:39] Irgendwann mal in der BWL und VWL-Vorlesung gelernt.

Christian Grotholt:

[32:43] So ist das. Angebot und Nachfrage, ja, ja, auf jeden Fall, worauf ich hinaus will, ist, das ist genau das, was auch die Kraft-Wärme-Kopplung ausmacht, eben genau nach Bedarf nachfahren werden zu können.

Kai Vorhölter:

[32:51] Aber das finde ich auch nochmal spannend, weil klar, bei uns geht es ja um das Thema Digitalisierung ganz stark und das heißt, diese Verbindung, die die Maschine sowieso hat, wird jetzt quasi erweitert über eure eigene 2G Cloud, dass ich mich dann verbinde, an entweder Börsen oder du hast gesagt, jetzt direkt Vermarkter.

Christian Grotholt:

[33:12] Genau, so sieht das aus. So ist das immer auch ein durchgängiges System. Angefangen vom ersten Kundenkontakt, wo wir gemeinsam unterwegs sind, dass wir da wirklich auch die Leute einladen und sagen, es macht Spaß, so etwas wirklich auch zu betreiben und dabei Energiekosten zu sparen und zusätzlich noch wirklich Gutes zu tun für die Umwelt.

Christian Grotholt:

[33:37] Dann quasi im Customer Journey weitergenommen zu werden in das CRM, in das CPQ, CPQ ist ja unser Produktkonfigurator, hoffentlich dann irgendwann auch ins ERP. Das ist jetzt die 2G-Seite. Es gibt auch die Kundenseite, die heißt my2g.com, die wird jetzt noch weiter ausgearbeitet. Da wird man dann wirklich an die Hand genommen, ähnlich wie man das vielleicht von dem einen oder anderen Automobilhersteller, E-Automobilhersteller kennt, dass man sogar sich darüber informieren kann, wo in der Produktion gerade sein Kraftwerk oder das Kraftwerk sich befindet. Da sind wir dabei, das umzusetzen. Das wird wahrscheinlich in zwei Jahren sein, dass wir es wirklich spätestens dann fertig haben. Und eben wieder zusammenspielen mit der Hardware, da auch die führende Technologie zu haben. Dann kommt wieder der Markt dazu, halleluja, dass da auch eben diese Schnittstellen definiert sind und auch das Miteinanderkommunizieren möglich ist. Viele Leute sprechen, um das vielleicht mal auf den Punkt zu bringen, nochmal wieder bei der Umsetzung von der Energiewende von den vier Ds. Damit meint man, klar, die Dekarbonisierung, die haben wir alle vor, das ist auch sinnvoll. Damit einhergeht, die Dezentralisierung, weil dann eben die Verluste durch die weiten Städten weniger gegeben ist und weil man dann wirklich vor Ort eben im Zusammenspiel mit verschiedenen Kraftwerksarten alle regenerativ das Ganze gedenkelt bekommt, nur wenn die Digitalisierung eben so weit ausgebaut ist, damit wirklich auch kommuniziert wird in alle Richtungen und am letzten, das vierte D ist dann der höhere Grad an Demokratisierung, der dadurch zustande kommt und volkswirtschaftlich wohl von Vorteil ist.

Kai Vorhölter:

[35:27] Und wieder super zu dem Thema des Wir-Gefühls oder der Wir-Marke steht.

Christian Grotholt:

[35:32] Genau.

Kai Vorhölter:

[35:33] Jetzt haben wir ja, natürlich, wir leben hier, deswegen betrifft uns Deutschland stark und das fand ich auch wichtig, den Blick nochmal drauf zunehmen auf Deutschland. Jetzt seid ihr aber ja per se als absoluter Spezialist in dem Bereich global aufgestellt, international. Kannst du mal beschreiben, Ist das eine ähnliche Situation, wie sich das gerade in anderen Ländern, Teilen der Erde, ja, eure Anwendung, eure Kunden sich verhalten oder gibt es da zum Teil ganz andere Nutzungsszenarien?

Christian Grotholt:

[36:05] Es gibt schon auch verschiedene Falle in den verschiedenen Ländern. Wir haben aber in Summe eher schon auch jetzt jüngst diese Entwicklung, dass Leute nicht mehr so sehr, nicht nur unbedingt immer mehr die Sustainability sehen, also die Nachhaltigkeit, sondern schon eher die Security und die Resiliency, also die Widerstandsfähigkeit und die Absicherung der eigenen Energieversorgung zum Teil, dass dort auch die Ersten schon aufgrund dieser Thematik dann die Kraftwerke zum Teil anschaffen. Das ist insbesondere in Nordamerika der Fall, wo ja auch riesige Distanzen überwunden werden müssen, um vom Kraftwerk bis zur Steckdose da wirklich die Energie zu transportieren.

Kai Vorhölter:

[36:54] Also da ist ja grundsätzlich genug Energie da, günstig ist er auch. Nur die Frage, es kommt dann nachher bei mir wirklich an, ist dann der Fall.

Christian Grotholt:

[37:02] Und du siehst es ja auch in Kalifornien durch die ganzen Buschfeuer und so weiter, Und da sind natürlich auch die Strommasten sofort in Mitleidenschaft gezogen.

Kai Vorhölter:

[37:08] Ja, die haben ja alles auch nur über oben gelandet.

Christian Grotholt:

[37:10] Power shortages, wo man hinguckt. Das sind die Sachen. Wir haben jetzt ganz jüngst auch auf Puerto Rico einige Anlagen installieren können. Und da ist ja jetzt noch vorgestern, am Montag, der Hurricane hat sich da ereignet und da ausgetobt. Und da sind unsere Anlagen auch im Inselbetrieb weitestgehend dann weitergelaufen, sodass dort auch die Ressourcen, wo sie installiert sind, also die Hotels in erster Linie, dann weiter versorgt wurden. Das ist ein Treiber. Es gibt aber auch in der Landwirtschaft halt den Treiber, sich ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein aufzubauen, indem man nicht nur Nahrung herstellt, sondern auch Bioenergie. Das ist für uns natürlich super.

Kai Vorhölter:

[37:57] Da war es ja dann wiederum ein Abfallprodukt.

Christian Grotholt:

[37:59] Ja, genau.

Kai Vorhölter:

[37:59] Das ist ja auch wieder eine Zweit-Dritt-Nutzung in dem Fall.

Christian Grotholt:

[38:02] Genau, dass man die lokal vorhandenen Ressourcen, genau wie du es umschreibst, nochmal nutzt, um Energie zu produzieren und das nachhaltig, um so womöglich auch die nachfolgende Generation mit dieser Innovation auch nochmal eher auf dem Hof zu halten. Weil es natürlich auch so ein Nachwuchsproblem sehr wohl da gibt. Das ist ein Treiber, also das zusätzliche wirtschaftliche Standbein.

Kai Vorhölter:

[38:23] Also der Landwirt wird immer mehr zu einem Energiewirt, kann man sagen.

Christian Grotholt:

[38:26] Das kann man schon sagen. Da gibt es also sowohl als auch, es gibt sowohl die Leute, die sich dann doch mehr als sogenannter Veredler auf die Nahrungsmittelproduktion konzentrieren, Aber sehr wohl, wie du sagtest, genauso gibt es diese Entwicklung, dass man wirklich dann irgendwann eigentlich die Nahrungsmittelproduktion so ein bisschen in den Hintergrund schiebt. Ja, und dann gibt es natürlich die Situation des Energiekostensparens, wie ich das vorhin ja schon sagte, weil wir eben so effizient den eingesetzten Energieträger ausnutzen, um Strom und Wärme, die beiden Nutzenergien, Strom und Wärme zu produzieren, macht es halt Sinn und man kann wirklich 30 bis 40 Prozent der Energiekosten sparen und das eingesetzte Kapital ist dann schnell zu 20, zu 25, zu 30 Prozent verzinst. Das wissen auch die wenigsten, wenn ich da einmal noch mal Werbung machen darf. Von der Wirtschaftlichkeit her ist das dann doch, obwohl ich hier keinen Konkurrenzgedanken aufbringen will, aber die Wirtschaftlichkeit ist oftmals höher als PV und Wind sein kann.

Christian Grotholt:

[39:37] Ja, das ist wohl so. Also uns kommt es darauf an, dass wir halt durch diese internationale Aufstellung uns unabhängig machen von diesen lokalen Märkten. Denn zum Teil sind wir schon auch noch fördergetrieben und alles, was so an Nachfrage künstlich generiert wird, kann natürlich auch sehr abrupt wieder enden. Umso wichtiger ist es, dass man eben durch diese breite Aufstellung die Kontinuität in der Auslastung bei uns hier in der Produktion gewährleistet.

Kai Vorhölter:

[40:11] Mhm. Ich hätte schon nochmal eine persönliche Frage. Ich meine, wir sitzen hier bei euch im Trainingszentrum um uns herum. Richtig viel anfassbare Technik, wenn ich das mal so sagen darf. Ich meine, wir sind ja selber bei uns, bei port-neo schon auch technisch affin, aber natürlich rein digital. Hier merkt man hier, wie du es eben gesagt hast, steht eine ganze Menge Hardware noch rum und die ist auch wichtig. Trotzdem, du hast ja ausgeführt, seid ihr eine für mich wahnsinnig innovative Reise gegangen. Quasi, ja, über das My2GNet quasi ein eigenes Ökosystem zu bauen, jetzt die Vernetzung zu Direktverstrupfen, Vermarktern, ETC, das Predictive Maintenance Thema hatten wir. Ich finde das schon beeindruckend, als Maschinenbauer so einen Weg zu gehen. Was hat euch dazu getrieben, das so schnell und so beherzt anzugehen?

Christian Grotholt:

[41:05] Erstmal vielen Dank. Die Komplimente gebe ich gerne weiter ans Team. Und das hat natürlich auch was mit der Begeisterung an Technik zu tun. Wenn du fragst, wo kommt das her? Dieses Riechen, Schmecken, Fühlen, Hören, das ist natürlich, das begeistert uns bis heute. Wirklich auch das Produkt dann auch im Betrieb mit begleiten zu dürfen. Das ist schon eine hohe Befriedigung, wenn man das so sagen darf. Angefangen von der initialen Beratung über das Projekt Engineering, über die Produktion, über das Implementieren vor Ort bis hin zum Service. Das macht großen Spaß, das alles zu sehen und mitzuerleben und glaube ich steigert auch so die Identifikation mit unserer Tätigkeit. Ich sage mal, es ist ein großes Geschenk, dass wir eben nicht zusätzliche Gebäude schaffen müssen, die zusätzliche Flächen versiegeln oder auch noch mehr Fahrzeuge anzubieten haben, die sowieso schon überlastete Infrastruktur vielleicht noch weiter überlastet. Dass wir hier ein Produkt haben, was sehr wohl auch ein Wachstum mit sich bringt, aber ein nachhaltiges Wachstum. Wir bringen Geräte, Kraftwerke in den Markt, die sparsam sind und Sparsamkeit umsetzen lassen und das auch noch regenerativ. Ich glaube, das ist der Treiber, der uns da immer wieder die Energie gegeben hat.

Kai Vorhölter:

[42:29] Aber nochmal, diese Kompetenzen sind das ja auch früh aufzubauen, zu sagen, ich setze mich damit auseinander, mit auch digitalen Services und Plattformen. Ja, das war euer Antrieb, den du beschrieben hast. War da irgendwas organisatorisch, was du verändert hast?

Christian Grotholt:

[42:46] Ja, natürlich.

Kai Vorhölter:

[42:47] Oder manche kaufen ja dann irgendwie Firmen, um dann quasi sich so ein Nuklears noch einzubauen, die dann Digitalität einbringt. Manche haben sich noch gar nicht auf den Weg begeben. Also ich kenne so viele Maschinenbauer, die dann auch wirklich weit von eurer Entwicklung weg sind.

Christian Grotholt:

[43:01] Wenn du so rum fragst, ja, das ist… Natürlich schon auch so ein bisschen, glaube ich, unserem Werdegang geschuldet. Wir sind ja dann angefangen, 1995, doch sehr überschaubar. Wir sind sehr regional ausgerichtet gewesen. 2G steht ja eigentlich für die beiden Familiennamen von Gausling und Grotholt. Herr Gausling, mein Partner Ludger, der mittlerweile 70 Jahre geworden ist,

Christian Grotholt:

[43:23] Der hatte seinerzeit schon einen Elektroinstallationsbetrieb. 1995, als wir uns mehr oder weniger zufällig auf den Weg gelaufen sind. Ich hatte gerade mein Studium absolviert in Dortmund und kam dann als frischgebrachter Ingenieur, elektrische Energietechniker, die studiert da, und hatte dann mit der Euphorie des gerade bestandenen Studiums natürlich da einiges vor. Ich wollte eigentlich in die Windkraft und bin dann aber über Umwege zur Kraft-Wärme-Kopplung gekommen. Und da hatten wir dann den glücklichen Umstand, eben die Landwirte als Kunden für uns zu haben. Da ging es gerade darum, dass in der Tierhaltung man aus Hygienegründen und Arbeitsreduzierungsgründen das Stroh immer mehr reduziert hat, den Stroheinsatz in den Ställen und musste dann aber für zusätzliche Wärme sorgen und aber auch für eine bessere Qualität der Luft, weil es losging mit der etwas intensiveren Tierhaltung. Also war eine Kontinuität im Strom- und Wärmebedarf gegeben. Ein hervorragendes Anwendungsgebiet für Kraft-Wärme-Kopplung. Da konnten wir uns austoben. Vielen Dank nochmal an die Landwirte aus dem westlichen Münsterland, dass sie uns da begleitet haben. Und dann ging das halt los in 1999, 2000. Da gab es eine Strommarkt-Liberalisierung und dann war eigentlich die Wirtschaftlichkeit für unsere Mörbrückes, für unsere Blockheizkraftwerke, die war dahin.

Christian Grotholt:

[44:50] Wir standen wirklich vor der Entscheidung Stop or Go. Also wir haben uns aber natürlich, wie wir heute zu sehen, dazu entschlossen, weiterzumachen, weil in 2000 dann das erste EEG, im April 2000, die erste Fassung des EEGs, des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes in Kraft trat und somit auch Biogasanlagen gefördert wurden. Und bei Biogas war es damals unheimlich wichtig, eben ein Blockheizkraftwerk zu haben, was möglichst auch dort eben Biogas in Strom und Wärme umwandelt. Und wie gesagt, zu den Kunden schon Kontakt, ging das dann los mit dem Biogas. Und das hat uns natürlich einen Wachstumsschub gegeben, sodass wir in 2006 überlegt haben, was machen wir denn jetzt?

Christian Grotholt:

[45:34] Biogas ist wichtig, aber Erdgas kommt auch wieder auf, weil es auch darum geht, Dezentralität und Energieeffizienz zu steigern. Das können wir aber nicht alles parallel finanzieren. Also was machen wir denn den Partnern aus dem Bankenbereich, mit denen wir bis heute gerne zusammenarbeiten?

Christian Grotholt:

[45:53] Für uns war es aber immer wichtig, auch auf Augenhöhe sich zu begegnen und da nicht nur einseitig das Risiko verlagert zu sehen. Und somit haben wir uns dann wirklich dazu entschlossen, den damaligen Entry-Standard, das ist ein Börsensegment gewesen, was kleinen mittelständischen Unternehmen die Möglichkeit gab, ja gab, muss man sagen, eben Gelder für das zukünftige Wachstum zu akquirieren. Und das haben wir dann durchgezogen im 2007, im Juli, so.

Christian Grotholt:

[46:22] Und seitdem sind wir Kapitalmarkt gelistet als AG und haben natürlich nicht nur den eigenen Willen, sondern jetzt auch eine Verpflichtung, erfolgreich zu wachsen. Weil das ja ein Versprechen ist, was wir unseren Aktionären, unseren Anteilseignern und Anteilseignerinnen halt auch ausgesprochen haben. Und dem wollen wir natürlich auch zukünftig gerecht werden. Und das ist dann schon eine Triebfeder. Ich habe ja auch schon mal in der Pause gesagt, so ja, wem das zu schnell geht, das kann ich wohl auch verstehen hier und da. Aber wir sind nun mal das Gegenteil von dem, was damals beim Bau des Trabis vor sich ging. Da hat man 40 Jahre lang mehr oder weniger das gleiche Modell gehabt. Und das kann ja halt sicherlich nicht passieren, weil wir uns den immer wieder wechselnden Anforderungen halt ausgesetzt sehen, müssen wir eben als Technologieunternehmen die bestmöglichsten Lösungen uns dann wirklich auch mal so durch den Kopf gehen lassen und diese auch umsetzen, was am Ende des Tages aber auch riesengroßen Spaß macht.

Kai Vorhölter:

[47:27] Christian, wir sitzen ja wirklich mitten in der Fertigung und wir haben den Kollegen gesagt, sie dürfen eine etwas längere Pause machen, aber ich habe es schon gehört, der eine Arne fängt ja schon wieder da im Hintergrund an zu werkeln, deswegen glaube ich, sollten wir zum Ende kommen.

Kai Vorhölter:

[47:45] Was ich immer noch mit meinen Gästen ganz gern mag, ist zum Schluss nochmal, ich weiß, wir haben alle nicht die Kristallkugel in der Hand, aber auch nochmal einen Blick nach vorne in die Zukunft zu nehmen. Da haben wir natürlich schon über einiges gesprochen, was gerade entsteht und auch kommen wird. Aber beschreibt doch nochmal ganz kurz, was… Wie siehst du das? Wie wird sich der Energiemarkt in Deutschland verändern?

Christian Grotholt:

[48:08] Das, was wir gerade gehört haben, das war wahrscheinlich das Stoppsignal für mich. Das war so anstrengend, wie mir zuzuhören vielleicht. Nein, aber wie kann es zukünftig aussehen? Ja, wir glauben an Zubau, definitiv Zubau von Wind und Sonne, was wir auch brauchen. Es darf eigentlich zukünftig kaum noch ein Dach geben ohne PV-Anlagen. Nur es bleibt bei dem Grundproblem eben, die regenerative Energieproduktion und ihre Nutzung in Einklang zu bringen. Und dafür brauchen wir diesen Speicher. Einen saisonalen Speicher, keinen Kurzzeitsspeicher in Form einer Batterie, sondern einen saisonalen Speicher. Und das ist Wasserstoff. Wenn wir als 2G über Wasserstoff sprechen, meinen wir eingelagerte Sonnen- und Windenergie. Eingelagerte und später verfügbare Sonnen- und Windenergie. Und die wieder hochflexibel und sehr, sehr sparsam und effizient umzusetzen, das kann dann die 2G-Kraftwerks-Technologie sein.

Kai Vorhölter:

[49:05] Und das in großen Mengen. Also wenn ich da mal, ich habe kürzlich gelesen, ich glaube, wenn du alle Pump-Wasser-Kraftwerke in der Schweiz irgendwie oder Österreich nehmen würdest, dann wäre nach fünf Stunden, wäre der kurzfristige, also wären die leer, also im Sinne des Speichers für den Verbrauch aus, glaube ich, Süddeutschland oder ich weiß nicht.

Christian Grotholt:

[49:26] Ja, und wo soll dieser Wasserstoff herkommen? Ich glaube, dass wir natürlich in der Lage sind, hier womöglich 40 bis 50 Prozent in Deutschland selber herzustellen, in vielen anderen Ländern auch. Und ich glaube auch, dass zum Beispiel… Länder wie Spanien zukünftig sehr, sehr entscheidend sein werden. In Andalusien haben wir Wind und Sonne. Und wir sind schon mal auch mit Leitungen, in Anführungszeichen, über Leitungen verbunden, was natürlich den Transport dann auch einfacher macht. Die müssen natürlich weiter ausgebaut werden, diese Wege. Aber man muss halt nicht mit dem Schiff halt nochmal über den Ozean kommen. Worauf ich hinaus will, ist, wir können nicht den kompletten Wasserstoff in Deutschland, den wir benötigen, halt um komplett zu dekarbonisieren auch die Weltwirtschaft zu dekarbonisieren. Ich glaube schon auch fest daran, dass die heutigen Öl-Multis ihr Substitut auch in Wasserstoff sehen.

Christian Grotholt:

[50:19] Denn sie können mit den fossilen Energieträgern nur noch bedingt Geschäfte machen zukünftig und sind aber oftmals auch in Regionen unterwegs, wo lange die Sonne scheint und auch dann und wann der Wind wird. Also gerade in den Wüsten kann man sich vorstellen, in Dubai sind wir auch dabei, in der Weltausstellung haben wir auch ein Wasserstoffkraftwerk dann platzieren dürfen, zusammen mit Siemens, die eine Elektrolyseur gebaut haben, 5 Gigawatt, die weltweit größte PV-Anlage, die können Strom produzieren unter 1 Cent, heute schon. Und dann kann man sich vorstellen, dass man dann eben nicht mehr Öl und Gas geliefert bekommt aus dem mittleren Osten, sondern halt den grünen Wasserstoff. Das kann ein Szenario sein und das könnte so zukünftig sein. Heißt also, Wind und Sonne, super, ausbauen, weiter, weiter, weiter, so viel wie geht. Natürlich immer im Einklang mit Menschen Natur, aber dann Wasserstoff genau als Lückenfüller, der dann eben einspringt, wenn eben andere Dinge nicht da sind. Das sehe ich schon so. In Kombination mit der Digitalisierung ist da sowas von ausschlaggebend, dass das Ganze miteinander harmoniert und je nach Witterungslage und je nach Charakteristika der verschiedenen Kraftwerksarten dann eben zu- und weggeschaltet wird. Aber es ist möglich. Das macht auch Digitalisierung möglich.

Kai Vorhölter:

[51:34] Christian, mir hat die Folge als Erdenbürger erstmal ganz viel positive Zuversicht gegeben und ich sage mal als Deutscher, der mit seinen Kindern hier aufwächst, auch, weil ich finde es toll, dass es Unternehmen wie euch gibt. Ich glaube, man darf euch auch als Hidden Champion sehr wohl bezeichnen, dass wir solche Unternehmen haben, die hier nicht nur Arbeitsplätze schaffen, sondern auch dazu beitragen, dass es auch bei uns in diesem Land weitergeht. In dem Sinne, ganz, ganz vielen Dank, dass wir hier sein durften.

Christian Grotholt:

[52:06] Danke, danke. Und wie gesagt, all die warmen Worte, die Komplimente gebe ich gerne weiter ans Team. Vielen Dank.

Kai Vorhölter:

[52:12] Danke. Ja, liebe Zuschauer, also dann verabschieden wir uns hier aus dem Münsterland, aus der Produktionshalle und schaltet doch gerne beim nächsten Mal wieder ein.

 

Alexandra Gerstung

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Alexandra Gerstung
Business Development Manager