Mit einer starken CX den Direktvertrieb stärken: Vorwerk zeigt, wie’s geht!
Zusammenfassung der Folge
In dieser Episode der CX Lounge teile ich, Dr. Thomas Stoffmehl, Einblicke in die Verbindung von Digitalität und persönlichem Kundenkontakt bei Vorwerk. Ich bespreche, wie der Thermomix und digitale Tools wie Cookie-Do unseren Kunden helfen, ihre Kocherlebnisse zu verbessern. Der persönliche Kontakt zu unseren Beratern bleibt zentral, auch in digitalen Zeiten. Wir analysieren Kundenzufriedenheit und planen eine internationale Expansion, um unsere einzigartigen Produkte anzubieten und die Customer Experience zu optimieren.
Sprecher:
Kai Vorhölter x Prof. Dr. Waldemar Pförtsch x Dr. Thomas Stoffmehl
Kai Vorhölter:
[1:21] Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge der CX-Lounge. Heute sind wir zu Gast in Wuppertal bei der Vorwerk SE im Gespräch mit Dr. Thomas Stoffmehl, Speaker of the Executive Board der Vorwerk Group. Vielen Dank, dass wir hier sein dürfen, Thomas.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[1:36] Ja, schön, dass ihr da seid. Ihr habt euch ja gemütlich eingerichtet hier bei uns im Besucherzentrum. Da gibt es viel zu sehen und ich freue mich auf das Gespräch.
Kai Vorhölter:
[1:44] Absolut. Das tun wir. Waldemar, schön auch, dass du wieder heute mal dabei bist. Professor Dr. Waldemar Pförtsch, der ja wie so häufig bei uns in der CX-Lounge nochmal die Forschungsperspektive mit reinbringt.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[1:55] Es freut mich, dass ich hier sein kann. Diese traditionsreichen Gebäude hier und auch zu sehen, wie Wuppertal und Vorwerk verwoben und verwandt sind. Es freut mich, dass ich da sein kann.
Kai Vorhölter:
[2:08] Klasse. Ja, ich habe mich auch riesig auf das Gespräch gefreut, weil zum einen, ja, das ist natürlich ein sehr besonderes Geschäftsmodell ist mit dem Direktvertrieb, der euch so stark und erfolgreich gemacht hat. Ich meine, D2C, Direct-to-Consumer, ist ja heute in aller Munde in der Marketingwelt. Das ist ja für euch noch überhaupt nichts Neues, sondern das macht ihr sehr, sehr lang. Und dann habt ihr natürlich auch zwei ganz fantastische Marken, vor allen Dingen der Thermomix nochmal. Von da war es also, wie gesagt, ich habe mich sehr, sehr aufs Gespräch gefreut. Aber magst du vielleicht auch noch ein paar Worte zu dir sagen und zum Unternehmen?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[2:43] Also zu mir persönlich, ich bin 51 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, Rheinländer, jetzt hier in der Verantwortung bei Vorwerk seit fast vier Jahren. Wir haben jetzt einen dreiköpfigen Vorstand mit meinen Kollegen Hauke Paasch und Thomas Rodemann mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen, aber einer klaren und einheitlichen Sicht auf die Entwicklung des Unternehmens. Ich bin schon sehr, sehr lange im Direktvertrieb, eigentlich promovierter Jurist. Das sage ich immer dazu, weil das irgendwie in Vergessenheit gerät, spielt aber an sich keine große Rolle mehr an der Stelle. Und ich muss sagen, ich betreibe dieses Geschäft wirklich aus Überzeugung mit Menschen und das ist natürlich bei Vorwerk großartig.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[3:16] Wir haben so tollen Produkten und einer einzigartigen Community, also da ist es relativ leicht zu sagen, dass einem der Job auch viel Freude bereitet. Ja und zu Vorwerk selbst, weil wir sind Im Prinzip weltweit tätig, haben unterschiedlichste Produkte. Es gibt auch noch eine Bank im Portfolio, aber im Wesentlichen sind natürlich unsere Marke Kobold und Thermomix bekannt. Ja, und die bilden eben auch das Rückgrat des Geschäfts im Direktvertrieb und da werden wir sicherlich zu sprechen.
Kai Vorhölter:
[3:46] Und wir hatten es ja im Vorgespräch, 11.000 Mitarbeiter und dann nochmal diese beeindruckende Zahl von 100.000 Beraterinnen und Beratern, die quasi für euch unterwegs sind.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[3:58] Ja, das ist eine ganz wichtige Kennzahl. Also ich glaube, wenn es nur eine Kennzahl im Unternehmen gäbe, dann wäre es die, auf die wir achten sollten, weil für uns sozusagen Beraterwachstum und Umsatzwachstum total korrelieren. Und das ist sehr, sehr wichtig, weil wir, als wir die Strategie in 2019 umgestellt haben, uns einerseits sehr stark nochmal auf die DNA-Direktvertrieb konzentriert haben, aber gleichzeitig eben auch die Digitalisierung und Modernisierung vorangetrieben haben, wussten, wir müssen diese Anzahl steigern. Ja, und wenn wir jetzt die letzten drei Jahre schauen, was wir unter der neuen Strategie erreicht haben, dann haben wir unsere Berateranzahl weltweit, ich glaube, fast 45 Prozent gesteigert.
Kai Vorhölter:
[4:33] Wow.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[4:33] Und das ist dem Grunde nach eigentlich die wesentliche Kennzahl, die so eine Art Gesundheitscheck für uns als Unternehmen bedeutet. Also wir sind relativ fit im Moment.
Kai Vorhölter:
[4:42] Ja, und unser Thema ist ja Customer Experience, also Kundenorientierung. Und ich weiß nicht, wie es dir ging, aber… Ich kann sagen, man spürt das wirklich mit jeder Phase. Wir sind ja gestern schon angereist, die Gastgeberfreundschaft, wenn man hier am Werk ankommt, am Tor, auch wie du auftrittst. Also das ist wirklich, fühlt man sich wirklich willkommen.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[5:04] Das ist ja auch so, die Leute, die den Thermomix benutzen, sie sind auch begeistert. Also es ist nicht nur eine Begeisterung vor Ort, sondern auch beim Kunden selbst.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[5:13] Für uns ist dieses Thema Begeisterung, ich meine, viele reden über Begeisterung den ganzen Tag rauf und runter. Ja, aber für uns ist Begeisterung deswegen so wichtig, weil es geht ja nicht nur darum, Geräte zu verkaufen, sondern es geht im Wesentlichen ja auch darum, wirklich neue Fans zu gewinnen, die nicht nur sagen, ich bin total begeistert von meinem Thermomix in der Küche, der macht tolle Sachen für die Familie, für die Freunde, sondern es geht ja im Wesentlichen auch darum, dass wir Empfehlungen bekommen. Ja, und ich glaube, jeder weiß das aus seinem persönlichen Umfeld. Wenn man von Freunden was empfohlen bekommt, dann hat das einfach eine ganz andere Aussagekraft, als wenn irgendwas sozusagen nur schnöde beworben wird. Deswegen ist das für uns wirklich super wichtig.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[5:49] Also ich frage meine Executive-Studenten immer nach dem Thermomix seit Jahren, weil Thermomix ist natürlich für Markenbildung das Beispiel. Und über die letzten Jahre ist der Anteil der Thermomix Enthusiasten in der Klasse stark gestiegen. Also so 10, 20, manchmal auch 30 Prozent in so einer Exekutive mit 50, 60 Leuten, die haben den Thermomix und die sprühen dann auch von ihrer Begeisterung nach draußen. Ich muss aber auch sagen, es gibt auch Leute, die Thermomix haben und nicht gekauft haben, die ein Geschenk bekommen haben, wo die Begeisterung nicht da ist. Und dann gibt es natürlich auch 70 Prozent, die ihn nicht haben und wo die Begeisterung noch nicht angekommen ist.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[6:33] Also die drei Gruppen sozusagen, die du gerade ansprichst, finde ich sehr spannend, weil die, die den Thermomix haben, sollten idealerweise auch begeistert sein und die weiterempfehlen. Die, die ihn nicht haben, würde ich sagen, da haben wir eine gute Chance, sozusagen weiter voranzugehen. Die dritte Gruppe ist tatsächlich für uns eine Herausforderung. Und wenn wir vielleicht im weiteren Fortgang auch noch über das Geschäftsmodell sprechen, ich finde das einfach sehr, sehr schade, wenn man das sehr oft verengt auf dem Produktverkauf. Weil für uns ist schon wichtig, dass der Thermomix nicht nur irgendwo steht, sondern dass er tatsächlich auch regelmäßig in der Küche gebraucht wird.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[7:01] Und es gibt eine ganz klare Verknüpfung zwischen Beraterpräsenz, Vorführung, Einweisung in das Gerät und Begeisterung. Und wir messen das natürlich auch regelmäßig durch Net Promoter Scores. Und was wir sehen, ist, dass wenn wir sozusagen Detractors haben, dann sind das meistens Leute, die sich nicht komfortabel fühlen in der Bedienung des Geräts. Und das ist für uns ein Riesenthema. Und deswegen müssen wir auch versuchen, in den Online Journeys die Dinge so zu verbinden, dass wir im Grunde nach diesen Kontakt zur Beraterin und zum Berater nicht abschaffen, nicht vergessen. Und das ist auch der Grund, warum ich am Ende auch sagen würde, ich will den Thermomix gar nicht an jeden verkaufen. Das heißt, wenn ich nicht sicherstellen kann, dass das jemand auch begeistert sein kann, weil er das Gerät adäquat bedient. Und da gibt es immer neue Dinge. Wenn ich zum Beispiel zu einer Vorführung gehe, also ich glaube, jedes Mal erlebe ich irgendwas, was ich nicht wusste, dass das Gerät das kann. Aber das ist für uns total wichtig an der Stelle. Und deswegen müssen wir versuchen, in unserer Journey das weitestgehend sicherzustellen.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[8:05] Bei meinen Befragungen habe ich auch festgestellt, dass wenn die Begeisterung sozusagen leben kann, meistens ein Lebenswandel als Grundlage darstellt, also Verheiratung, Kinderkriegen, was auch immer. Und ich habe auch gemerkt, die Leute, die ein Thermomix haben und nicht verheiratet sind und keine Kinder, die haben diesen Moment nicht.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[8:31] Ja, ich glaube, da ist was dran. Das ist natürlich für uns ganz interessant, weil da geht es natürlich auch ein bisschen um die Frage, wie geht man eigentlich so andere Kundengruppen an? Ich glaube schon, dass so ein Thermomix eben auch Gelegenheit braucht, wenn ich das vielleicht so formulieren darf. Und das ist natürlich in einer Situation, wo man eine Familie hat, ich meine Kinder bedienen das Ding in Teilen auch selbst. Und insofern glaube ich, dass das schon eine Rolle spielt. Absolut. Aber wir sehen eben auch, das haben wir auch nicht vergessen, weil…
Dr. Thomas Stoffmehl:
[8:56] Es gibt natürlich mittlerweile, wir reden immer über den Thermomix als Hardware in Anführungsstrichen, aber die Digitalisierung des Gerätes ist natürlich für uns von elementarer Bedeutung, weil letztendlich wir Menschen damit auch die, ich sag das mal ganz offen, entweder nicht kochen können oder sich vielleicht nicht viel zutrauen und keine Vielfalt ausprobieren möchten. Natürlich mit unserer Gelinggarantie und der Verknüpfung eben von Hardware und Software die Möglichkeit bieten, wirklich Dinge auf den Tisch und auf den Teller zu zaubern, die man vielleicht auf normale Art und Weise nicht hinbekäme. Ja, und ich glaube, das spielt auch eine Rolle und insofern kann man das von unterschiedlichen Seiten betrachten.
Kai Vorhölter:
[9:33] Ja, und das auch mit den Inhaltsstoffen, die ich will. Ich meine, das ist ja auch ein sehr großer Trend, dass die Menschen doch immer mal bewusster sich ernähren. Und da habe ich natürlich dann, wenn ich nicht so die Kocherfahrung habe, eine ganz andere Möglichkeit.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[9:45] Es gibt auch ganz witzige Funktionen. Du kannst zum Beispiel auch sagen, ich habe was, gehst ganz anders dran und sagst, was habe ich noch im Kühlschrank? Ja, kannst du auch im Thermomix eingeben und dann sagt der dir, okay, bei den limitierten Dingen, die du noch im Kühlschrank hast, kannst du das und das kochen. Also dann gibt es Rezeptvorschläge. Also das kann man von unterschiedlichsten Seiten betrachten. Das ist schon spannend. Ist auch beim Thema Nachhaltigkeit wichtig. Also ich sage mal Food Waste und alle diese Dinge, das spielt schon eine Rolle. Können wir sicherlich in der Kommunikation auch noch stärker herausstellen, aber die Motive sind sehr unterschiedlich.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[10:12] Also was ich jetzt höre ist, dass der Übergang von TM5 zu TM6 ein Quantensprung war. Sehen Sie das auch so?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[10:21] Ja, ja, ja. Also ich glaube, dass der größte Quantensprung ehrlich gesagt der Übergang vom TM31 auf den TM5 war.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[10:28] Also der mit den Tasten.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[10:29] Genau, um ganz offen zu sprechen. Und dann tatsächlich innerhalb dieses schon vorhandenen Quantensprungs war natürlich die Integration der Digitalisierung von TM5 zu TM6 der nächste Quantensprung. Beim TM5, weiß ich nicht, ob ihr das wisst, gab es diesen Cookie, das heißt, dass man eben die Dinge hier fast gesagt von außen zuführen musste. Und das ist natürlich jetzt beim TM6 völlig anders. Das ist also jetzt tatsächlich eine total integrierte Lücke.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[10:56] Und damit haben wir ein digitales Produkt.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[11:00] Ja, Punkt.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[11:03] Da kommt die nächste Frage. Haben wir auch ein digitales Geschäftsmodell?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[11:10] Ja, das ist interessant. Also die Frage stellt man mir sehr oft und dann fängt es an, ganz spannend zu werden bei dem Grundverständnis von Direktvertrieb. Also ich würde das so beantworten, etwas provokant. Wir haben kein digitales Geschäftsmodell als…
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[11:31] Monetarisierungsprinzip.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[11:32] Jein, jein, ich komme euch das erstmal zu differenzieren. Also wenn ich auf den, fangen wir anders an, wenn ich auf den Thermomix schaue und sehe unser Cookidoo, also quasi die Software, die Rezept-Datenbank, die dich zur Gelinggarantie und zum Guided-Cooking leitet, dann ist das ein total digitales Geschäftsmodell, weil es ist ein Abo-Modell und wir sind natürlich sozusagen im ständigen Dialog mit unseren Kundinnen und Kunden. Also insofern, wenn das so betrachtet, würde ich sagen, ist dieser Teil des Geschäftsmodells ein total digitales Geschäftsmodell. Ich möchte es aber bewusst differenzieren, weil das Problem, was ich sehe, ist, dass in dieser ganzen Digital-Diskussion wir sehr oft die Bedeutung des persönlichen Kontakts vergessen, an der Stelle.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[12:17] Und wir haben Erfahrungen gemacht, auch in der Corona-Zeit, wo wir natürlich auch Dinge vielleicht etwas stärker digitalisiert haben, auch in der Kommunikation. Das sozusagen, je näher mal positiv formuliert, je näher der Kontakt zwischen Berater und Kunde, umso größer die Kundenzufriedenheit und umso größer der Erfolg für das Unternehmen. Das heißt, für uns ist die Digitalisierung ohne die Beraterinnen und Berater nicht denkbar. Das heißt, wenn wir auf Digitalisierung schauen, deswegen wird die Antwort jetzt ein bisschen länger, da müssen wir eigentlich in zwei Richtungen schauen. Erstens, was eigentlich die Notwendigkeit von digitaler Unterstützung für unsere Beraterinnen und Berater? Deswegen glaube ich, das ist immer so ein schönes Best-Wort, wenn man sagt, ja, Digitalisierung ist total wichtig. Ist natürlich total wichtig. Nun, was heißt das jetzt für so ein Unternehmen?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[13:02] Und bei uns ist es tatsächlich so, dass wir sagen, es ist erst mal eine digitale Unterstützung unserer Beraterinnen und Berater, da haben wir sehr viel rein investiert, das geht auch weiter, damit die sich eigentlich im Wesentlichen auf das konzentrieren können, was sie gerne machen, was sie können. Und dann natürlich sozusagen die Digital Experience. Und deswegen sagen wir auch in unserer neuen Strategie, Direktvertrieb in drei verbundenen Kanälen. Und die drei verbundenen Kanäle sind zum einen der Online-Kanal und unsere Stores, da wo wir sie haben. Aber wichtig ist, dass wir eben nicht jetzt sagen, es gibt jetzt irgendwie einen platten E-Shop. Deswegen sage ich, es gibt bei uns kein E-Commerce. E-Commerce ist ein anderes Geschäftsmodell. Sondern bei uns gibt es MySites, das heißt Berater-Websites, wo die Berater aus der Sicht des Kunden eine seamless auch digital Customer Journey anbieten. Und wir trotzdem in diesem ganzen Prozess sehr tailor-made sicherstellen, dass wir unterschiedliche Andockpunkte haben, um mit den Beraterinnen und Beratern in Kontakt zu kommen. Und jetzt könnte man sagen, naja, aber die Digitalos wollen das gar nicht. Dieses One-Click-Shopping à la Amazon und so weiter. Da halte ich dagegen und sage, nach unseren Kennzahlen, wir sind ja noch nicht so super lange damit unterwegs, jetzt seit zwei Jahren von Land zu Land. Wir haben ein gutes Drittel aller derjenigen, die den gesamten Prozess durchlaufen, ein bisschen der Thermomix-Licht im Warenkorb, die dann am Ende sagen, ich hätte aber trotzdem gerne die Einführungsdemo und den Welcome-Service durch die Beraterin oder den Berater. Das finde ich spannend. Und dann muss ich natürlich das, was ich am Anfang gesagt habe, hiermit wieder verknüpfen, dass die zwei Drittel, die das nicht wollen, am Ende nicht zu Detractors werden.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[14:28] Und dann deswegen ist das so kompliziert für uns, diese Frage so einfach zu beantworten, weil wir eben aus einer anderen Welt kommen, wo die Digitalisierung super wichtig ist, wo wir aber eben schauen müssen, dass wir die DNA eben nicht verändern im negativen Sinne, sondern positiv anreichern für alle Beteiligten.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[14:46] Okay, aber was Sie da machen, ist ja, ich sag mal, ein Sonderweg. Also wenn ich jetzt die normalen E-Commerce-Unternehmen anschaue, die wollen Click and Buy.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[14:58] Genau, das wollen wir ausdrücklich nicht.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[14:59] Click and Connect.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[15:01] Ja, also das ist genau. Und wir gehen, ich sage mal, aus großer Überzeugung diesen Sonderweg. Und ich glaube, es ist super erfolgreich. Das ist immer sehr interessant. Mir wird auch oft die Frage gestellt, das ist Direktvertrieb, das ist irgendwie, keine Ahnung, das ist sowas aus dem letzten Jahrhundert. Das ist total spannend, weil, also ich würde wetten, dass dieses Geschäftsmodell auch in 100 Jahren erfolgreich ist. Weil der persönliche Kontakt zwischen Menschen, der definiert sich vielleicht anders. Auch die Kommunikationswege verändert. Selbst wenn du heute in ein Restaurant gehst, wundert sich, dass viele Leute nicht mehr miteinander reden, sondern in ihr Handy gucken. Das muss man natürlich antizipieren, muss auch überlegen, was macht das mit dem Geschäftsmodell. Das ist sehr, sehr wichtig. Aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der persönliche Kontakt zwischen den Menschen entscheidend ist. Und auf der E-Commerce-Seite, wenn ich das noch sagen darf, ist ja auch interessant, dass, egal ob du mit Leuten aus dem Retail sprichst, ob du mit Leuten aus dem E-Commerce, die wollen ja alle näher an ihre Kunden ran. Die denken natürlich wieder an digitale Lösungen, an CRM-Lösungen, an all diese Themen, ist auch in deren Geschäftsmodell konsequent gedacht. Aber wir sind natürlich mit einem sehr, sehr hochpreisigen Produkt unterwegs und wir müssen natürlich auch eine Premium-Experience liefern. Und insofern, ja, ich habe das vorhin versucht auszuführen, sind wir eben besonders.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[16:12] Was mir jetzt natürlich sofort ins Auge gesprungen ist, der Berater muss sich auch wandeln. Also der Staubsaugerberater, der wird nach dem Verkauf so ein bisschen aus dem Haus komplementiert und der Thermomixberater wird, worum kommen sie denn nochmal? Also ich sage das bewusst, weil es gibt natürlich auch andere Unternehmen, die ähnliche Probleme haben und auch dann andere Lösungen geben. Also ich rede jetzt Mercedes-Benz, da gibt es auch den Verkäufer, den Mercedes-Benz-Verkäufer. Und ich kann mich noch an ein Projekt erinnern, 2005, wo man ein Terminal in die Niederlassung gestellt hat, wo die Leute, die ein Auto wollten, nicht zum Verkäufer gegangen sind, sondern zum Terminal. Also mit der Art des Verkäufers, typischer Mercedes-Verkäufer, nicht umgehen konnte.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[17:05] Hat sich das durchgesetzt?
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[17:06] Hat sich nicht durchgesetzt.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[17:08] Das wäre meine These gewesen.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[17:09] Genau. Aber sie gehen jetzt beim smart zum Beispiel in die komplette Online-Lösung. Muss noch auch bestätigt werden, ob das sinnvoll ist. Aber ich denke, das Modell, was sie anbieten, hat einen extremen Schaden, aber einen extremen Aufwand.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[17:24] Naja, also gut. Das sind ja viele Punkte, die du jetzt angesprochen hast. Also ich glaube, zunächst mal… Das ist für mich auch ein bisschen so eine Glaubensdiskussion. Wenn ich die mal theoretisch fortsetze, würde ich sagen, demnächst gibt es kein Geschäft mehr. Sondern es wird alles digitalisiert. Ich glaube das nicht. Man sieht auch jetzt in der Krise, dass auch viele rein E-Commerce ausgerichtete Modelle extreme Probleme haben. Und extreme Umsatzrückgänge haben, weil eben die Bindung der Kunden nicht so groß ist. Man entscheidet sich einfach nicht zu kaufen.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[17:52] Je mehr ich in der Community Nähe herstelle, umso mehr ist natürlich auch, ich sag mal, dieses Thema von einem Unternehmen positiv zu beeinflussen. Das ist der erste Punkt. Der zweite Punkt ist, ich bin großer Freund davon, darüber nachzudenken, dass man Digitalisierungstendenzen auch überprüft auf Relevanz. Ich glaube einfach, dass es wahnsinnig viele Ideen gibt. Die sind ganz toll aus der technischen Sicht. Aber schaffen Sie Mehrwert für den Kunden? Schaffen Sie eine wirkliche Relevanz? Ich bringe mal ein Beispiel. zu meiner Zeit, als ich Bofrost geführt habe. Das habe ich auch 14 Jahre gemacht. Da wurde unheimlich viel geforscht über intelligente Tiefkühltruhen, intelligente Kühlschränke. Da wurde gesagt, der Kühlschrank sagt dir demnächst, wenn deine Milch abläuft. Ist alles Quatsch. Heute gehen wir immer noch zu unserem Kühlschrank und gucken da rein. Warum? Weil sich einfach dieser Use Case im Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher nicht durchgesetzt hat. Ich will jetzt nicht sagen, dass das schwarz oder weiß ist. Ich will nur sagen, ich glaube, man muss sehr genau darauf achten, welche Entwicklungen sind relevant und wie jetzt für uns ganz konkret als Vorwerk geht man damit um und wie adaptiert man diese Dinge auf unser Geschäftsmodell.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[18:59] Und deswegen finde ich eben, du hast es gesagt, unsere Kombination von Produkt und Mensch und der Digitalisierung, auch der immer digitalisierteren Produkte, extrem charmant, weil ich glaube, dass wir dadurch auch in Zukunft es richtig machen und auch weiter Trendsetter sind in vielerlei Hinsicht, eben uns vom Markt sehr stark differenzieren können.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[19:21] Und ehrlich gesagt müssen wir es auch. Denn wir stehen nicht im Wettbewerb über den Preis, sondern wir verkaufen hochpreisige Produkte. Und deswegen, auch weil der Kanal aufwendiger ist, aber auf der anderen Seite, stell dir vor, du kaufst eine Küchenmaschine bei Mediamarkt Saturn. So, und dann gehst du durch den Kassenbereich und dann sagt dir keiner am Ende, hör mal, wäre es eine tolle Idee, wenn ich dir das Ding zu Hause mal vorführe? Nein, dann ist Feierabend. Dann bist du als Kunde sozusagen, du bist als Kunde Geschichte an der Stelle. Und wir haben aber trotzdem da jede Menge Herausforderungen im positiven Sinne, ja, weil auch unsere Geschäftsmodelle sind, anders jetzt beim Thermomix mit dem Cookidoo und der Digitalisierung, wo ich im Prinzip im ständigen Kundenkontakt stehe, wir sind natürlich auch sehr stark fokussiert auf das Anfangserlebnis, ja, und wir sind jetzt auch dabei über Advisor und Customer Experience, also wir haben bei der Customer Experience, bei uns heißt das ACX, ja, nicht CX, weil unser erster Kunde ist natürlich auch der Advisor, ja, aber wir sind natürlich auch jetzt damit beschäftigt zu sagen, lass uns mal die ganze Journey angucken, ja, das Thema After-Sales, Betreuung und alle diese Dinge, auch beim Staubsaugerverkaufen. Am Ende brauchst du neue Staubsaugerbeutel und so banale Dinge. Und wir glauben, dass wir da auch eine Menge Verbesserungspotenziale in der Kette haben, die wir betrachten müssen.
Kai Vorhölter:
[20:35] Da hätte ich ja schon mal eine Frage, Thomas, hast du da ein Beispiel, wo du sagst, das haben wir schon rausgearbeitet auf der Journey, wo wir ein Highlight geschaffen haben?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[20:45] Ja, also ich glaube, dass wir erstmal ein Thema generell haben, sozusagen das Feedback einzuholen und festzustellen, ich sag mal, wie war denn eigentlich die Journey bis dahin? Das heißt, wir sind jetzt, wenn wir mal über das Thema Net Promoter Score zum Beispiel sprechen, das ist ja ein Thema, was konkret immer nur auf den Endkunden erhoben wird. Wir erheben das jetzt auch für die Advisor. Wie attraktiv ist eigentlich der Job? Und wie wahrscheinlich ist eigentlich, dass du deine Beratertätigkeit weiterempfehlen würdest? Das heißt, wir sind jetzt gerade dabei, in dem Projekt, in dem ACX-Projekt zum Beispiel diesen Net Promoter Score auch komplett auf unsere Vertriebsmannschaft zu übertragen. Das ist für uns ein super relevantes Thema. Ja, ist ganz interessant, ich habe jetzt erste Ergebnisse gesehen, man muss natürlich die Zahlen, kannst du jetzt prozentualen vergleichen, aber immerhin sagt, was ich gesehen habe, nochmal kleine Datenbasis, aber sagt jeder zweite Berater, ich würde den Job weiterempfehlen. Das finde ich mal nicht schlecht als Startpunkt. Zweites Beispiel, wir denken sehr intensiv darüber nach, wie wir natürlich auch unseren Kundenkontakt eher dauerhafter gestalten können. Cross-Selling ist manchmal ein schwieriges Thema, da denken viele relativ schnell dran. Ich sehe den Berater definitiv nicht als Gemischtwarenladen, sondern ich sage mal, sowohl unsere Kobold-Beraterinnen und Berater als auch Thermomix lieben ihr Geschäft und lieben auch die Fokussierung. Ob da nicht nachher Möglichkeiten bestehen, bei den Kunden, die ein Thermomix gekauft haben, zu sagen, vielleicht hat er da auch ein Interesse an einem Staubsauger, aber nicht vorne, sondern sozusagen später in dem Prozess. Das sind alles Dinge, die müssen wir uns jetzt mal genau anschauen.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[22:15] Aber es ist ein markanter Schritt nach vorne. Also vom Markt her gesehen geht es zurück. Aber trotzdem für das Unternehmen ist es ein Schritt nach vorne, weil sie erheben ja sozusagen in der Journey die Daten auf den unterschiedlichen Ebenen. Und dadurch sind sie natürlich am Puls der Zeit näher.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[22:34] Ja, absolut. Und das ist ja genau der Grund, warum wir das machen. Und deswegen, ich glaube auch, da ist ein riesiges Potenzial. Ich kann das heute noch gar nicht, ehrlich gesagt, beziffern und benennen. Nochmal eine Sache zu den Daten. Das mit den Daten ist auch interessant, weil ich natürlich mit vielen Unternehmen spreche, die sagen, naja, das ist ja total spannend. Ihr seid beim Kunden in den Küchen, in den Wohnzimmern. Ich glaube aber, das ist ein super sensibles Thema. Wir als Direktvertrieb müssen… Eine klare Haltung zeigen, was das Thema Daten angeht. Und deswegen, für uns ist Daten Nutzung nur ein Thema innerhalb des Hauses und innerhalb der Division. Und das erwarten auch unsere Kundinnen und Kunden von uns. Weil dazu ist einfach dieses Direktvertriebsgeschäft auch zu sensibel und zu persönlich. Also wenn wir jetzt anfangen würden, irgendwie mit unseren Daten zu handeln, was für uns ein absolutes No-Go ist, dann glaube ich, würden wir das Geschäftsmodell wirklich schwächen. Also das kommt für uns nicht in Frage.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[23:25] Aber das ist ja eine Werthaltung, die aus der Tradition kommt, aber auch ein markanter Stellungsmerkmal ist für das deutsche Unternehmen, für das Vorwerkunternehmen und für jemanden, der wirklich die langfristige Kundenbeziehung will.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[23:45] Ja, also das, klar. Ich meine, wir werden jetzt dieses Jahr 140 Jahre alt bei Vorwerk. Und es ist wirklich ein tolles Familienunternehmen, was diese Tradition und diese Werte als Familienunternehmen eben auch lebt. Und das zeigt sich dann eben auch an solchen Dingen, dass man dazu eine klare Haltung hat und eben nicht auf jeden vielleicht auch profiträchtigen Zug aufspringt. Aber wir einfach sagen, das passt nicht zu unserer Ausrichtung und zu unserem Wertesystem.
Kai Vorhölter:
[24:10] Ich meine, du lässt jemanden in dein eigenes Zuhause. Intimer geht es ja nicht. Ja, also das verstehe ich schon. Super. Thomas, ich frage immer meine Gäste ganz gern nach einem persönlichen CX-Moment. Jetzt sind wir schon voll in der Vorwerk-Story drin. Bevor ich es aber vergesse, vielleicht möchte ich dich das gerne noch mal kurz fragen.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[24:31] Das war ganz spannend. Ich erinnere mich an Weihnachten. Und zwar, das war irgendwie eine digitale Journey. An der Stelle, weil wir gerade so lange darüber gesprochen haben, und zwar habe ich erstmals bei refurbed, ich weiß nicht, ob ihr das kennt, habe ich zwei Secondhand-Iphones gekauft. Und habe ich noch nie gemacht, offen gesprochen. Fand ich total interessant. War eine super interessante Journey. Die funktionierte bis hin zum Eintausch und Ankauf des alten Geräts. Und muss ich ehrlich sagen, das war für mich auch mit dem ganzen Nachfassen, mit dem ich jetzt auch als Kunde im Nachgang auch kommunikativ behandelt werde, eine richtig interessante, individuelle Journey in einem Thema, wo ich glaube, dass das uns alle sehr betrifft.
Kai Vorhölter:
[25:13] Cool. Was hat da den Unterschied gemacht?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[25:18] Es war rein digital und trotzdem verhältnismäßig individuell und einfach in der Abwicklung. Ich glaube, da ist immer eine Frage, wenn ich diesen digitalen Weg wähle, dann muss der auch extrem easy sein. Und super transparent hat mir wirklich gut gefallen. Ich sage mal, auch das Ganze drumherum, dass sie dir deine Verpackung schicken für dein Altgerät mit dem Label. Also du musst dir überhaupt keine Gedanken machen. Dann bist du über jeden einzelnen Schritt informiert. Hast das Geld für das Eintauschgerät, keine Ahnung, zwei Tage später auf dem Konto. Es war ganz spannend, weil ich glaube, die es so machen, dass du jetzt nicht, also ich habe mich dann selbst dabei ertappt, dass ich am Ende nicht gesagt habe, wir haben noch zehn Anbieter im Internet verglichen, sondern war dann mit zufrieden und würde auch sofort wieder hin zurückgehen. Also die haben aus meiner Sicht von der Journey alles richtig gemacht.
Kai Vorhölter:
[26:03] Cool, schönes Beispiel. Ich würde auch nochmal gerne auf Thermomix zu sprechen kommen. Wir haben ja schon gesagt, absolute Love Brand. Ihr seid hochpreisig unterwegs. Das, ja, wenn man es so sieht, sagt man, super, aber wie schafft man das? Kannst du da sagen, was war da das Erfolgsrezept dazu? So eine Power Brand weltweit.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[26:24] Ja, ich meine, das hat ja auch ein bisschen gedauert, ne? Also nochmal, 1971 ist der Thermomix erfunden worden, das ist mein Geburtsjahr übrigens, das hat aber nichts miteinander zu tun. Viel Trial and Error. Ja, so. Und irgendwann muss dann sein, wirklich wahrscheinlich, da streiten sich die Meinungen, aber ich würde mal sagen, der TM31 war da so der erste Durchbruch, wo man dann gesagt hat, aha, da ist irgendwas neues, also nicht nur ein Mixer, sondern das Ding kann irgendwie mehr. Und dann, glaube ich, hat es eine gewisse Zeit gedauert, weil natürlich dieser Aufbau über den persönlichen Direktvertrieb kein schneller Weg ist. Das heißt, es ist ehrlich gesagt sogar ein ziemlich mühseliger Weg, weil ich nicht sage, ich gehe mit einer riesen Kampagne in den Markt und dann ist das Ding auf einmal sozusagen für jeden präsent. Und dann hat man eben wirklich sehr konsequent diesen Weg über die Salesforce betrieben und aufgebaut.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[27:20] Wann hat man denn die Salesforce getrennt? Also meine Mutter hat noch beim Kobold-Vertreter den Mixer gekauft.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[27:27] Das ist eine gute Frage. Ehrlich gesagt, die kann ich dir nicht beantworten. Ich weiß nicht mehr genau wann…
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[27:31] Aber wie gesagt, in den 50er, 60er Jahren war es eine Salesforce.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[27:35] Ja gut, wenn man das überlegt, ich glaube am Anfang macht man das natürlich. Man probiert. Wir haben das ja auch gemacht im Unternehmen. Es hat ja auch Dinge gegeben, die am Ende nicht funktioniert haben.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[27:43] Aber jetzt haben wir ja zwei Bereiche. Komplett getrennt?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[27:48] Komplett getrennt. Auch in der Führung getrennt. Also ich habe eine Organisation, ich habe einen Landesmanager, einen General Manager fürs Land und darunter sind dann die in der Größe zwei Sales-Bereiche, nämlich Kobold und Thermomix.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[27:59] Ich muss mal eingrätschen hier, weil der Begriff hochpreisig ist mir nicht adäquat.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[28:07] Mir auch nicht, aber wir können ja nochmal drüber reden.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[28:09] Genau, genau. Ich sehe das nämlich anders, weil der Wert, der durch die Lösung, und jetzt versuche ich den Begriff Lösung einzubringen, anstelle von hochpreisig, also wir kaufen nicht ein Gerät, sondern wir kaufen eine Lösung, ist ja so wertvoll, also jetzt für mich selber, wie viel Zeit ich spare, wie schnell der Prozess ist, wie effizient der Prozess ist, wie oft ich ihn wiederholen kann, was ja beim Kochen immer so ein Thema ist. Also, dass sich eigentlich der Preis ist überhaupt nicht relevant.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[28:45] Also das sage ich auch immer, manchmal wird da widersprochen. Ich finde das super. Ich bezeichne den Thermomix als preiswürdig.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[28:56] Das ist ein besserer Begriff.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[28:57] Das kommt genau eigentlich aus der Ecke, die du ansprichst, weil es ist eben nicht so, das liegt natürlich auch am Vertriebsweg. Nehmen wir mal ein Beispiel. Wenn du den Thermomix ganz normal im Handel verkaufen würdest, dann gehst du wieder mal im Beispiel zum Mediamarkt Saturn und dann siehst du, keine Ahnung, KitcenAid, Moulinex und dann kommst du oben irgendwann bei Bosch, guckt jetzt an, die sind ja ungefähr in unserer Preisliga und dann hättest du den Thermomix. Dann würden die Leute vor dem Regal stehen und würden im Wesentlichen, typisch deutsch, den Preis als Differenzierungskriterium sehen. Wir haben uns ja aus dem Thema rausgezogen, aus guten Gründen. Und ich glaube, dass manchmal versuchen die Berater auch auszurechnen, dass es super wirtschaftlich ist, weil du dir, keine Ahnung, wenn du keine Brötchen mehr kaufst, sondern die immer backst alle möglichen Rechnung angestellt.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[29:41] Backen ist gar nicht wichtig, dass du ihn immer hast.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[29:43] So, genau.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[29:43] Du musst ja die Fahrt zum Bäcker mit einrechnen.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[29:46] Ich glaube aber tatsächlich, und das erlebt man dann im Vertrieb, diese Diskussion um den Preis isoliert betrachtet, also eigentlich so nicht stattfindet. Die findet je statt, jetzt kommen wir wieder zu dem Thema von vorhin, je mehr ich entkoppelt bin von dem persönlichen Kontakt und von der Erlebbarkeit, von der Lösung, die ich sehe und erlebe, das spielt eine Riesenrolle in der Vorführung, habe ich vielleicht eine Preisfokussierung. Wenn ich aber dann in der Vorführung bin und dann wirklich sehe, was das alles kann, ist das nachher nicht.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[30:18] Das spielt dann keine Rolle mehr. Also ich sage das deswegen, weil jetzt in dem Buch, was wir ja veröffentlicht haben, haben wir gesagt, es wandelt sich vom Produktverkauf zum Solutionsverkauf, Goods-dominant logic to Service-dominant logic und das ist jetzt sozusagen begrifflich, wenn ich immer diese Preisdiskussion mit reinziehe, verschwimmt die, weil eigentlich wird ja die Solution angeboten. Er bietet ein Produkt, das zum einen natürlich auch nur die digitale Komponente dazu hat, aber eigentlich dazu beiträgt, dass sich das, was ich machen kann, um ein vielfältiges gesteigert wird. Und deswegen ist eigentlich die Frage der Kosten, die ich da einsetzen muss, ein Aspekt, aber schon überhaupt kein dominanter Aspekt, weil das findet am Anfang statt und deswegen wird der 20 Jahre.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[31:15] Das ist manchmal ein Problem, dass die immer so lange leben. Nein, Spaß beiseite. Aber die Vorwerkqualität, das ist interessant.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[31:21] Das erwartet der Kunde aber.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[31:23] Ja, ja, du kommst manchmal natürlich auch, ich habe das auch erlebt, ich bin mit so einem Vorwerkstaubsauger zu Hause groß geworden und du kommst eben manchmal tatsächlich, das ist im Staubsauger-Segment ehrlich gesagt noch krasser, kommst dir dann in Haushalte bei älteren Menschen, da steht dann wirklich ein Asbach-Uraltes. Ja, das funktioniert doch super. Der Vertriebler sagt sich, naja, also haben sie das ein bisschen übertrieben mit der Qualität. Na, Quatsch, Spaß beiseite. Das ist natürlich super wichtig für uns.
Kai Vorhölter:
[31:48] Aber man kann ja schon sagen, wir waren ja beim Thema, warum ist das so eine Love Brand geworden? Und es hat im Wesentlichen damit zu tun, dieser hohen Fanbase, von der du ja eben auch schon mal gesprochen hast, oder? Also, dass es einfach so viele Menschen gibt, die ja, dafür brennen, ja, allein schon durch eure 100.000 Berater, die diese Marke nach vorne tragen, oder? Kann man das sagen?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[32:07] Ja, absolut. Also das ist aus meiner Sicht der, der alles entscheidende Punkt, ja. Deswegen haben wir auch in unserem Claim dieses Thema Enthusiastic People, ja, Direct Sales and Three Connected Channels, haben wir vorhin drüber gesprochen, und dann Outstanding Products and Services ist eben die Kombination aus diesen Dingen. Ja, und ich glaube, man muss schon sagen, dass es gibt natürlich dann auch manchmal Diskussionen, was jetzt wichtig war, der Mensch, die Community, das Produkt. Ja, klar, der Ingenieur sagt, das Produkt ist am wichtigsten, der Vertriebler sagt, quatsch, natürlich, also das ist eine wirklich blödsinnige Diskussion, weil bei uns ist es die Kombination aus beidem, ja, und ich glaube aber, man muss ganz klar sagen, wir differenzieren uns natürlich über die Produkte, weil die Produkte eben auch Kriterien brauchen, die gerade für den Direktvertrieb geeignet sind, Stichwort Vorführbarkeit, ist auch im Straubsauger-Business wichtig. Weil bei uns fällt ja die Kaufentscheidung sehr oft genau in dem Moment, wo ich was sehe. Und nach einmal denke ich, da sehe ich jetzt was, das sehe ich mit meinem normalen Staubsauger nicht. Oder eben,…
Kai Vorhölter:
[33:01] Nicht nur sehen, die Nutzererfahrung…
Dr. Thomas Stoffmehl:
[33:03] Diese Experience, genau. Ich glaube, man muss schon ganz klar sagen, dass diese Community am Ende trotzdem den Unterschied macht. Also dieses i-Tüpfelchen oben auf im persönlichen Kontakt und im Service und in dieser Verbindlichkeit auch. Und so kann man auch natürlich, wenn wir auf die Zahlen der letzten drei Jahre gucken, die vertriebsseitig alle Rekordjahre waren, ja, dann ist eben, kommt zurück zu dem, was wir vorhin besprochen haben, dieses Beraterwachstum, ja, am Ende ursächlich, so, und so machen wir auch die Marke, weil wir sind ja nicht diejenigen, die in klassisches Marketing investieren, wo du sagst, okay, jede Litfaßsäule siehst du Vorwerk oder sowas, das gibt es bei uns in der Form nicht, sondern wenn, dann machen wir sowas punktuell, so Unterstützung unserer Beraterinnen und Berater.
Kai Vorhölter:
[33:49] Ich würde auch noch mal gern zum Thema Daten springen. Du hast ja schon gesagt, okay, ein sehr sensibles Thema, was ja sehr ernst nimmt. Aber wir hatten ja, Waldemar, du hast ja eben schon angesprochen, dass es ja mittlerweile eine digitale Lösung ist, über die Rezepte, die ich ja auch reinladen kann. Gibt es da weitere Ideen, über die du schon sprechen kannst, wie ihr euer Produkt noch digital erweitern wollt?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[34:11] Ideen gibt es ganz viele, aber ich spreche nicht darüber. Nein, das ist interessant. Wir hatten neulich Taumholz hier, irgendein Mitarbeiter fragte, das fand ich sehr nett, was ist denn jetzt die nächste Überraschung für dieses Jahr? Wie gesagt, dem Wort Überraschung liegt immanent zugrunde, dass ich nicht darüber rede. Nein, aber das muss es natürlich geben. Wir müssen die Dinge weiterentwickeln. Aber das ist für uns übrigens auch wichtig. Das erzählen wir dann erst unseren Beraterinnen und Beratern.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[34:35] Ja gut, aber der Trend ist ja relativ klar, ihr müsst in die Automatisierung gehen, weil die Digitalisierung gibt uns ja die Wege vor, damit ich jetzt, bevor ich, also wenn ich von der Firma weg losfahre, sage ich meinem Thermomix Bescheid. Also in die Richtung geht es einfach.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[34:52] Ja, in die Richtung geht es und dann natürlich auch wieder, wir haben natürlich auch eine riesige digital ID und wir beschäftigen uns natürlich auch mit den Themen. Also wir auch hier am Standort in Wuppertal geht es ja nicht nur darum, Motoren und Geräte zu produzieren, sondern eben auch Entwicklungen und Trends zu betrachten und dann eben Ableitungen daraus zu treffen. Ich glaube, nur noch mal zurückkommend auf das, was ich schon gesagt habe. Am Ende ist dieser Relevanzcheck schon wichtig. Und auch zu sagen, was können wir, was wollen wir noch und was ist dann nicht mehr unser Business. Und das ist für jedes einzelne Thema immer nur zu diskutieren.
Kai Vorhölter:
[35:26] Aber ich kann mir ja schon vorstellen, wenn ich jetzt, ich weiß nicht, wie das bei euch genau ist, ob ich ja als Kunde das bewusst freigeben kann, aber ich meine, allein wenn ich analysiere, bei vielen hunderttausenden Millionen von Anwendungen, was wird besonders gekocht, wie tut sich Essen verändern und daraus dann vielleicht mir als Kunde wirklich Optimierungen abzuleiten. Also nicht nur zu sagen, ich kann ja dann Vorschläge geben und sagen, hey, übrigens Kunden, die dieses Essverhalten teilen, haben so ein Startup profitiert oder irgendwas.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[35:56] Und was auch ein Thema ist im Übrigen, neben der Automatisierung, ist natürlich auch die Personalisierung. Dieser Dinge, das spielt natürlich auch eine immer große Rolle.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[36:06] Eine Waage habt ihr schon im Programm?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[36:08] Die Waage ist in Thermomix eingebaut.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[36:10] Eine Menschenwaage meine ich.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[36:13] Gott sei Dank nicht. Du betrittst deine Küche und wir teilen dir das Gewicht des Tages. Das könnte den Spaß am Kochen reduzieren.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[36:25] Trend geht in die andere Richtung. Spaß und…
Dr. Thomas Stoffmehl:
[36:28] Ja, das ist so ein spannendes Thema, dass man natürlich überlegen kann und sagen, wo sind denn womöglich Anreicherungen, wo wir zum Beispiel eine Diät oder was auch immer, eine bestimmte Form der Ernährung eben content wise noch stärker unterstützen können. Und das Thema haben wir auf dem Schirm, da beschäftigen wir uns mit.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[36:48] Ein Thema, was wir gestern Abend diskutiert haben und sicherlich auch von großer Bedeutung ist, der B2B-Sale. Also wenn ich in ein Sterne-Restaurant reingehe und dann stehen die 10 Thermomix da hinten, ist schon beeindruckt.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[37:02] Ja, ist tatsächlich ein Thema, ist für uns natürlich ein kleiner Markt, offen gesprochen und ist eben, wie soll ich das formulieren, ist ein Mitnahmegeschäft. Aber was auch interessant ist, ist, dass natürlich da wiederum der Thermomix völlig anders genutzt wird. Du siehst übrigens in diesen Küchen auch oft ältere Thermomix-Modelle, TM31, aber vor allen Dingen TM5, weil die sagen, Digitalisierung ist für uns gar nicht so wichtig, weil wir können ja schon kochen, also wir brauchen kein Guided Cooking. Aber für die Leute ist natürlich super wichtig, dass die Präzision des Gerätes bei der Verarbeitung von Ei, Temperatur, Soßen etc. einzigartig ist. Und insofern, das ist immer schön, wenn wir dann noch so eine Art Ritterschlag bekommen von der Seite und das macht Spaß.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[37:43] Also da wollte ich so ein bisschen die Hand drauflegen, weil ich bin ein B2B-Typ, ich komme aus dem B2B-Markt und bin sozusagen bei B2B2C zu den Konsumern gegangen. Der B2B-Markt ist riesengroß, speziell der Exportmarkt. Also für Deutschland wissen wir ja, 70 Prozent unserer gesamten Exporte ist B2B und es gibt ganz wenige Konsumerfirmen. Gott sei Dank, Vorwerk ist einer davon, aber jetzt zurück, der B2B-Markt hat Vorwerk nicht im Blick, weil er anders bedient werden muss, weil er völlig andere Mechanismen hat, weil Kundenbeziehungen über viele Stufen gehen, also es ist ein völlig anderer Markt. Aber, jetzt meine persönliche Erfahrung, ein riesen Potenzial. Nicht nur Sterne-Lokal… Kantinen, Krankenhäuser, Mensa.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[38:39] Ich stimme dir grundsätzlich zu, aber vielleicht zwei Bemerkungen dazu, das ist jetzt nicht eine wesentliche Priorität unserer Strategie, allerdings auch da machen wir Erfahrungen, gehen wir nochmal kurz auf das Thema Staubsaugen zurück, es gibt zum Beispiel ein Startup Nexaro das ist das ist ein B2B-Geschäft. Da geht es darum, einen Saugroboter mit einer, aber dann wirklich einer völlig anderen Funktionalität. Das ist jetzt überhaupt kein Gerät für den Endkunden. Ist auch kein Direktvertriebsgeschäftsmodell im klassischen Sinne, aber für kleine und mittlere Büros zur Verfügung zu stellen. Ist interessant, ist angelaufen jetzt. Das Produkt wird im Laufe des Jahres auf den Markt kommen. Die ersten Indikationen sind sehr, sehr spannend. Insofern würde ich sagen, ist das ein Thema, was wir aus unserer Roboter-Staubsauger-Kompetenz weiterentwickeln können mit einem zusätzlichen Produkt für das B2B-Thema. Beim Thermomix haben wir natürlich… In vielen Ländern haben wir als Geschäftspartner Distributeure, weil wir sind nicht überall mit eigenen Units und eigenen Vorwerkeinheiten unterwegs, sodass wir mit denen auch die Diskussion unter einem anderen Blickwinkel führen. Das ist mehr B2B. auf der anderen Seite, die aber wiederum in ihrem jeweiligen Markt unser Geschäft betreiben und feststellen, dass sie auch da natürlich dem Grunde nach nur mit dem Direktvertriebsmodell erfolgreich sein können, weil die Diskussionen, die wir vorhin auch geführt haben, die Preispositionierung des Gerätes, die Notwendigkeit, Menschen zu begeistern, dann sozusagen mittelbar, jetzt nicht direkt durch uns, aber dann über den Distributeur auch sichergestellt werden muss.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[40:14] Ich muss da ein bisschen nachhacken. Einfach deswegen, weil, wenn ich jetzt mir vorstelle, wie ein Hilton würde jetzt 10.000 Geräte kaufen, für den Rest der Welt, dann muss ich den anders bedienen, als wenn ich sozusagen an den Restaurantbesitzer angehe. Und da ist eigentlich das große, also da ist ein großes Potenzial, weil natürlich die Qualität stimmen muss, die Automatisierungsfähigkeit stimmen muss und…
Dr. Thomas Stoffmehl:
[40:41] Es ist richtig, ich würde jetzt aber kühn behaupten, dass, also stimmt alles, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Positionierung dann das Gerät ist, so wie es heute ist, für das B2C-Geschäft, die richtige ist. Ich glaube, da müsste man tatsächlich eher so ein Beispiel Nexaro überlegen, dass man sagt, man hat einen Blueprint mit dem vorhandenen Thermomix und gegebenenfalls gibt es eben auch eine Anwendung im B2B-Bereich, würde unter Umständen aber auch zu einer anderen Produktentwicklung führen.
Kai Vorhölter:
[41:05] Ich glaube auch. Da gibt es ja auch einige Firmen, die darauf spezialisiert sind. Thomas, ich würde ganz gerne nochmal, du hast ja gesagt, eure Customer Experience wird ganz maßgeblich durch die Beraterinnen und Berater geprägt. Magst du mir auch mal sagen wie werde ich denn zum Berater, wie ist da meine Journey hin, also ich gehe mal davon aus die meisten sind Anwender, Anwenderinnen schon aus Begeisterung raus, aber wie boardet ihr die dann on?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[41:36] Also, ich fange mal mit Thermomix an. Also erstmal ist, ich glaube, ich würde das einfach mal behaupten wollen, ohne dass ich das jetzt empirisch belegen kann, aber ich glaube nicht, dass es viele Beraterinnen und Berater gibt, übrigens sind beide Divisionen, die nicht über die Liebe zum Produkt zu uns kommen. Also sagt ja keiner, ich habe jetzt keine Ahnung von Thermomix, aber heute entschließe ich mich Thermomix-Beraterin zu werden. Oder Kobold-Handelsvertreter, das ist natürlich quatsch. Das sind alles Menschen, die irgendwo in ihrem Leben eine positive Product Experience haben, auch genauso an das Produkt herangeführt worden sind, weil anders kannst du es bei uns nicht kaufen, also diese Direktvertriebserfahrung machen und dann eben über, gerade bei Thermomix, über Heavy User Status, wie ich das so sage und großer Begeisterung, okay, da kann ich eigentlich aus meinem Hobby auch einen Nebenjob machen.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[42:27] Das Thermomix-Vertriebsmodell für Beraterinnen und Berater ist ja im Wesentlichen Teilzeitmodell, während das bei Kobold differiert, ja, an der Stelle auch je nach Land. Das heißt, ich bin erstmal vom Produkt überzeugt. So, dann kommt der nächste Schritt und das versuchen wir auch, weil unsere Vertriebsstrategie, die jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, man hat den lustigen Namen ROAR. R für Rekrutieren, O für Onboarden, A für Aktivieren, Activation und das letzte R für Retention. So, und unsere Maßnahmen sind sehr maßgeschneidert auf die einzelnen Stationen, in denen ich mich gerade befinde. Und gehen wir das jetzt mal durch für den Thermomix. Also, ich bin ein großer Produktfan. Ich gehe zu einer Vorführung und dann sage ich, mensch, da ich das Produkt selbst leidenschaftlich gerne vertrete, im positiven Sinne, könnte ich das eigentlich auch tun. Das heißt, wenn ich mich dann entscheide, einen Thermomix zu kaufen, dann ist für uns sozusagen der erste Einstieg, und jetzt bin ich bei dem Thema des Onboardings, das sogenannte Verdienerprogramm. Das heißt also, wenn du sagst, ich will nicht nur das Ding kaufen, sondern ich kann mir auch vorstellen, mehr damit zu tun, dann kannst du einsteigen und dann kannst du mit Deutschland beispielsweise mit vier verkauften Thermomix, hast du deinen eigenen Thermomix verdient, das ist der Einstieg. Das ist das Onboarding. Mit vier gehört er dir.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[43:45] Dann steigen viele Leute wieder aus. Völlig okay, weil die sagen, mein Ziel war, mein Thermomix zu verdienen. Dann gibt es aber viele Leute, die sagen, ich bin zwar jetzt kein Vertriebler im klassischen Sinne, sondern ich bin Produktfan. Aber dem Grunde nach könnte ich das auch weitermachen. Jetzt kommt das Unternehmen ins Spiel, weil jetzt kommt eine ganz interessante Schwelle. Das ist sozusagen genau dieser Scheidepunkt von Kunde zu Berater. Ja, so und jetzt kommen aber Menschen an der Situation, dass wenn sie die ersten vier Thermomixer noch im Friends-and-Family-Bereich verkauft haben, weil das ist ja relativ simpel, ja, und alle sagen, ah, das wollen die eh auch immer schon haben und wenn du dir dann verdienst, dann passt das gut zusammen. Da kommt für mich eine ganz interessante Stelle.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[44:23] Jetzt müssen die Menschen aber unter Umständen Leads generieren. Also, und ehrlich gesagt, da stellt sich keiner vor ein Rewe und spricht dich mal an und sagt, Entschuldigung, darf ich dich mal zur Thermomix-Party einladen? Ja, man muss das mal ganz praktisch. Also, ist bei diesem Thema Activation wichtig, dass wir den Menschen jetzt eine super Hilfestellung anbieten und sagen, pass mal auf, wenn du jetzt bei uns klein bist, kannst du dich eigentlich im Wesentlichen darauf konzentrieren, deine Foodpartys zu machen, ja? Und wir helfen dir bei der Lead-Generation sehr digital, beispielsweise. Und dann wird es spannend und auch ab einem bestimmten Status mit dem Advisor Webshop, den du auch nicht am Anfang bekommst, sondern der am Ende ein Thema ist, wenn du dich wirklich entschieden hast, das Geschäft zu betreiben. Also es gibt viele Maßnahmen, das war jetzt eine lange Antwort, aber ich glaube, das ist mal ganz interessant, um dann den Menschen in ihren unterschiedlichen Situationen in diesem Onboarding-Prozess auch attraktive Lösungen anzubieten.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[45:15] Also für mich ist das eine super Antwort, weil es gibt ja auch Unternehmen, die diesen Übergang nicht geschafft haben. Also die waren super erfolgreich, haben ein differenzierbares Produkt gehabt, haben ein begeisterungsfähiges Produkt gehabt und sind verschwunden oder fast verschwunden.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[45:32] Ja, da gibt es leider viele Beispiele. Genau.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[45:36] Also jetzt von meiner Seite, das ist ja ein herzlicher Glückwunsch, dass sie es gemacht haben, dass sie das durchhalten konnten oder dass sie das verstanden haben, dass da die Schritte notwendig sind, um das zu erhalten.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[45:47] Das haben wir auch mit der neuen Strategie 2019, als wir die wirklich überarbeitet haben, sehr stark fokussiert, um diese Vertriebsstrategie auch an den unterschiedlichen Stationen konsequent umzusetzen. Am Ende ist es eben auch eine Win-Win-Situation, weil je nachdem, mit welchem Ziel du zu uns kommst, wir trotzdem eine interessante, maßgeschneiderte Lösung haben und es niemand sich verpflichtet fühlen muss zu sagen, ich mache das jetzt die nächsten 10 Jahre. Aber es ist eben wichtig, dass wir die Menschen so unterstützen, auch mit Digitalisierung und Automatisierung, dass die am Ende nicht viel links und rechts tun müssen, außer sich auf das konzentrieren, was sie gerne machen.
Kai Vorhölter:
[46:23] Ich fand das nochmal spannend, weil das ja durchaus ein Thema ist, mit dem wir uns auch für viele Kunden beschäftigen. Wenn ihr jetzt digital diese Leads generiert, wie darf ich mir das vorstellen? Also ich suche vielleicht nach einem Staubsauger oder sowas und dann sagt er, hast du auch schon mal überlegt, könnte auch so weit sein.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[46:37] Ja, Trail and Error. Da gibt es ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Aber wir generieren natürlich auch, ich sage mal, sehr, sehr viele Leads, also extrem viele Leads aus unserer Salesforce. Auch die müssen bearbeitet werden. Also es ist nicht immer so, dass ich sage, also wir haben jetzt irgendwie keine Leads mehr, wir müssen jetzt irgendwie mit Google AdWords eine Kooperation vereinbaren oder was auch immer, das machen wir auch. Aber auch da, je konkreter der Lead im Sinne von, da hat schon jemand eine gewisse Erfahrung, da ist schon eine persönliche Beziehung, umso wahrscheinlicher auch der Erfolg. Also das ist eben auch wichtig. Es geht jetzt nicht darum, irgendwie total unqualifizierte Leads in den Prozess reinzuschmeißen. Da sind wir auch dabei auszuprobieren, was der richtige Weg ist.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[47:21] Also was ich jetzt höre, ist sozusagen physical and digital combining. Also das Zusammenführen, ich habe den getroffen, ich weiß den und die Anfrage über.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[47:30] Aber das war das, was ich auch die ganze Zeit schon versucht habe zu erklären. Ich hoffe, es ist mir gelungen, dass ich eben nichts damit anfangen kann, diese Dinge schwarz oder weiß zu sehen. Zumindest für uns, unser Geschäftsmodell, liegt der Nutzen in der intelligenten, wirklich auf uns zugeschnittenen Verbindung dieser Themen.
Kai Vorhölter:
[47:49] Oh gut. Super. Vielleicht noch eine Frage, das Thema stationär. Ja, ihr hattet ja, ich glaube in Stuttgart sogar, gab es auch mal einen Store auf der Königstraße, der wurde aber wieder zugemacht. Gibt es da auch eine Strategie, über die du sprechen kannst?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[48:02] Also ich habe ja vorhin schon gesagt, dass unsere Strategie besagt, dass wir Direktvertrieb in drei verbundenen Kanälen betreiben. Der eine ist der personengestützte Direktvertrieb, da haben wir ja heute sehr lange drüber gesprochen. Das digitale Thema, glaube ich, mit den MySite haben wir auch. Der dritte Kanal sind die Stores. Ja, so. Die Situation ist im Moment die, dass wir in Deutschland knapp 60 Stores haben, einige wenige im Ausland. Da haben wir die Explosion in weitere Stores erstmal gestoppt, weil wir gesagt haben, jetzt geht es darum, diese vorhandenen Stores oder überhaupt diesen Kanal-Store in eine intelligente Verbindung zu bringen mit dem Direktvertrieb. Da gibt es im Moment sehr unterschiedliche Testläufe von Store zu Experience Center und so weiter. Wir sind da noch nicht klar.
Kai Vorhölter:
[48:47] Also Kochstudio oder eher dann…
Dr. Thomas Stoffmehl:
[48:49] Wo wir sagen, wir müssen dem Grunde nach eigentlich nicht nur irgendwas verkaufen, sondern wir müssen den Store für die Menschen als Begegnungsstätte nehmen, die sozusagen vielleicht einen anderen Zugang zu uns wählen.
Kai Vorhölter:
[49:00] Die, denen es vielleicht zu Hause zu intim ist.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[49:02] Und dann eben eine gute Verbindung auch wiederum mit dem Berater hinzubekommen, an der Stelle, da experimentieren wir im Moment. Und deswegen sind die Stores auch in Deutschland noch sehr stark staubsaugerlastig. Und wir fangen jetzt eben an, noch Thermomix in die Stores zu bringen. Und da müssen wir eben gucken, wie wir da die optimale Verbindung von unseren Beraterinnen und Beratern erstellen. Wir sind da noch nicht am Ende. Aber in unserer Strategie verankert sind die Stores eben der dritte Kanal. Der vierte wird dann gleich perspektivisch das ganze Thema After Sales. Je nachdem, wie das ACX-Thema sich weiterentwickelt. Und so haben wir noch viel zu tun an der Stelle.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[49:37] Ich habe noch einen Begriff, den ich vielleicht für eine Fallstudie verwenden werde. Der heißt Freshly Made by iPad. Also die Frage geht eigentlich in die Richtung, wie ist die Generation X oder digitalisierten Natives sozusagen fokussiert auf die Verbindung zwischen ich bin ständig online und ich koche. Gibt es da schon erste Einsichten, dass das, ein Zukunftstrend ist?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[50:07] Ja, also ich meine, Einsichten gibt es. Jetzt wieder, ich glaube auch, dass das ein Zukunftstrend werden kann. Da bin ich wieder bei der Relevanz. Erstens bei der Relevanz generell und dann bei der Relevanz für uns. Und ist das dann ein Thema, wo man sagt, das ist in unserer Journey relevant? Und dann im nächsten Schritt, wenn wir das mit Ja beantwortet haben, wie integrieren wir das? Das ist der Grund, warum wir auch so viel forschen und sozusagen an der Stelle auch uns unheimlich viele Entwicklungen im Markt angucken. Ja, also da gibt es keine abschließende Antwort dazu.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[50:38] Noch nicht. Ich denke, das ist auch ein Trend, den man beobachten muss, wo man möglicherweise ein Startup zu kaufen kann, die schon sowas machen, wo Experimente laufen. Die Konkurrenz ist ja auch am Schaffen.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[50:53] Und deswegen haben wir ja auch so ein Thema wie New Business in unserer Strategie verankert, wo wir sagen, wir können auch uns mit solchen Unternehmen beschäftigen. Und auch das ist ein Thema, immer wieder, man muss ja nicht alles selbst erfinden, sondern man kann ja auch gucken, wie gibt es eigentlich Trends? Es ist glaube ich auch immer wichtig, ein Unternehmen auch immer sehr fokussiert auf die Kernkompetenzen zu führen. Also ich würde nie uns anmaßen, dass wir das alles besser können als andere. Und deswegen ist das auch wichtig, dass wir so ein Scouting haben in den Märkten und auch tatsächlich gucken, was gibt es eigentlich für Entwicklungen und wie sind die für uns unter Umständen relevant.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[51:29] Also für mich vom Blick von draußen, also so ein Unternehmen wie Vorwerk ist dringend notwendig, also sowohl für den Kunden, aber auch für den Standort Deutschland. Deswegen bitte bei den Werten bleiben, bitte nach vorne gehen, weil ich sage mal mit dem Wandel zur Digitalisierung sind wir ja im Prinzip ein Vorzeigeunternehmen. Wir sind ja ein Unternehmen, das über viele Jahre total erfolgreich war und jetzt den Wandel schafft.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[51:55] Also vielen Dank für die Blumen. Die gebe ich gerne weiter an die Teams. Ich glaube, das ist auch die allgemeine Wahrnehmung, warum auch im Unternehmen wirklich trotz aller Schwierigkeiten und Krisen große Aufbruchstimmung ist. Und auch ein neues Selbstbewusstsein. Also ich glaube, ein ganz anderes Selbstbewusstsein, dass man sagt, wir sind Direktvertrieb, aber total modern. In einer wirklich intelligenten Kombination und so eher in die Richtung auch… da können sich die anderen, die nur das eine können und vielleicht nicht das andere, eher warm anziehen. Aber nicht im Sinne von, wir schweben über die Dinge auch immer mit der nötigen Demut. Ja, aber ich glaube, dass es grundsätzlich richtig ist, sich an diesen Kernkompetenzen weiterzuentwickeln und die Modernisierung an Kernkompetenzen und Werten zu betreiben.
Kai Vorhölter:
[52:36] Warte mal, das hätte ja fast schon die Abmoderation sein können. Die mache ich auch gleich. Aber ich hätte noch eine Frage zum Ökosystem. Weil ja, wir sprechen ja viel über das Smart Home. Es war ja auch der CEO von der Bosch Smart Home auch schon bei uns, wo es ja, ich sag mal schon, die Anspruchshaltung oder die Anforderung auch gibt an den Anbieter, sich auch möglichst offen zu machen, mit anderen Geräten zu interagieren und zu kommunizieren. Wie ist da eure Strategie? Weil wir haben ja jetzt bisher über das geschlossene Ökosystem gesprochen, gerade beim Thermomix, mit dem eigenen Gerät und den eigenen Softwareplattformen. Aber habt ihr da auch einen Ansatz?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[53:15] Also wir diskutieren das, was im Moment sich am Markt entwickelt, super intensiv. Ist ein Riesenthema bei uns, aber auch wieder mit einem anderen Blickwinkel. Ja, ich glaube, dass wir im Moment mit unserem geschlossenen System, man kann ja auch mal so eine Anleihe nehmen zu Apple und anderen Systemen. Ich meine, die haben ja auch nie den Weg des geschlossenen Systems verlassen und wenn sie sich öffnen, dann nur da, wo es ihnen nutzt. Und ich glaube, man muss wirklich diesen heiligen Gral des USP vom Thermomix, den muss man erhalten. Den erhältst du nicht dadurch, indem du dich einigelst und irgendwelche Entwicklungen vorpennst. Deswegen ist das zu uns relevant.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[53:52] Ob wir uns Thermomix überhaupt und wenn ja, wie öffnen? Ist überhaupt nicht entschieden und wird im Moment auch ehrlich gesagt tendenziell eher mit Nein beantwortet. Das heißt aber nicht, dass wir die Entwicklung nicht beobachten müssen und vielleicht ist auch eine partielle Öffnung sinnvoll. Ich glaube, man muss nochmal einmal auf den USP zu sprechen kommen. Wenn ich Bosch wäre, habe ich eine andere Intention als Thermomix. Unser Punkt ist, wenn ich sage, heute ist schon die Digitalisierung des Gerätes eigentlich im Ergebnis die Gelinggarantie, die wir ausloben für die 70.000, 80.000 Rezepte, dann weiß ich ja, dass ich heute auch eine Interaktion mit anderen Geräten in der Küche brauche. Also Beispiel, wenn ich sage, ich backe ein Brot, dann hast du eine hervorragende Teigzubereitung im Thermomix, aber dann brauchst du deinen Backofen. Und dann ist vielleicht dein Backofen, der 180 Grad anzeigt, trotzdem nur 175 Grad warm und deiner hat 186 Grad. Also deswegen können wir uns natürlich nicht auf irgendwelche Hersteller fokussieren, sondern wir müssen dem Grunde nach schon ein Stück weit autark bleiben, aber unseren USP im Auge halten. Und wie wir das dann am Ende verändern müssen vom Geschäftsmodell, um für den Kunden diese Gelinggarantie auch in Zukunft zu spielen, auch wenn andere Marktentwicklungen sozusagen Platz greifen, das ist für uns ein super wichtiger Punkt. Das ist aber strategisch so eine wichtige Diskussion, dass man an der Stelle auf keinen Fall falsch abbiegen darf.
Kai Vorhölter:
[55:22] Absolut, absolut. Da sind wir ja schon auch in der Zukunft und das ist immer gerne auch meine Frage, die Stelle. Du hast ja schon ein bisschen in den Markt reingeschaut, aber wenn du jetzt nochmal so 15 Jahre vorausschaust in euren beiden großen Segmenten, was ist so deine Prognose? Was wird noch mehr kommen?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[55:39] Also erstmal hoffe ich, dass zumindest unser Ziel, dass uns gelingt, diese Community stetig zu vergrößern, weil das eben der Weg, um Wachstum und unsere Art Geschäft zu machen und Menschen Freude zu bereiten, auch mit unseren Produkten, den wir gut können und der auch aus meiner Sicht sehr, sehr funktioniert. Das ist für mich erstmal ein wichtiger Punkt, dass wir sagen, den Weg gehen wir konsequent weiter, damit wir eben auch gutes Wachstum erreichen können. Ich glaube, das wird immer wieder nur mit den richtigen Produktinnovationen gehen. Wir haben darüber gesprochen, über die Dinge, die auch unsere Communities brauchen, ab und an sozusagen neues Futter. Und das haben wir auch ganz gut gezeigt. Wir haben zum Beispiel im Staubsauger-Segment letztes Jahr mit dem VK7, würde ich sagen, den besten Kobold-Handstaubsauger aller Zeiten gelauncht. Wir werden auch das Thema Robotics nochmal anders bedienen und insofern ist, glaube ich, der Weg ein Stück weit wie in der Vergangenheit, natürlich mit total anderen Ergebnissen, aber sozusagen Innovationen für die Community und natürlich die entsprechende Produktinnovationen, idealerweise hat man das im Blick, was wir gerade auch diskutiert haben, das wird immer komplexer. Ich glaube, das wird sich für Vorwerk für die nächsten 10 bis 15 Jahre nicht verändern. Wir werden auch versuchen, in der Gruppe uns unter Umständen weiter zu diversifizieren, da wo es sinnvoll ist, wo wir auch Mehrwert liefern können. Also ich würde jetzt nicht nur über ein finanzielles Investment an einem Unternehmen, sondern es passt auch zur Strategie. Wir haben ja übergreifend unsere Home-Ausrichtung. Sozusagen alles das, was für unsere Kundinnen und Kunden zu Hause ist. Und das ist das Spielfeld.
Kai Vorhölter:
[57:08] Und da habt ihr ja Kompetenzen jetzt aufgebaut, die ihr mal ja sehr wohl auf ein anderes Segment auch übertragen könnt.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[57:14] Ja, da muss man dann genau hingucken. Das ist ja auch immer so eine Sache. Ihr kennt ja auch viele Beispiele, wo dann die Ideen anfangs aber gut waren und die Umsetzung schlecht. Also ich finde, da muss man vorher gut drüber nachdenken. Und man muss dann, glaube ich, auch ganz gut wissen, was bringt man ein, was nicht. Was kauft man ein? Und was soll da am Ende eigentlich als Gesamtwerk dabei rauskommen? Ja, weil vielfach wird ja aus 1 und 1 dann eher 1,5 in der Praxis. Also wir haben einen anderen Anspruch. Ob uns das dann immer gelingt, das werden wir sehen.
Prof. Dr. Waldemar Pförtsch:
[57:47] Dann zicke ich mich noch auf Internationalisierung, also wie ist denn die Erweiterungsmöglichkeit?
Dr. Thomas Stoffmehl:
[57:52] Ja gut, das ist für uns ein Riesenthema. Da haben wir auch jedes Jahr eine ganz konkrete Agenda, in welche zusätzlichen und neuen Länder wir gehen. Auch teilweise als Test sozusagen über unser International Distributor Business, was ich vorhin schon angesprochen habe. Das geht jetzt auch weiter. Und da haben wir auch noch eine Menge interessanter Flecken auf der weltweiten Landkarte, die wir mit unseren Produkten noch nicht beglückt haben, Stand heute.
Kai Vorhölter:
[58:16] Also ich sehe hier 1883, 140 Jahre hast du eben gesagt, ich habe da keine Bange, dass diese Reise noch sehr lang weitergehen wird. Und Waldemar, du hast ja so schön gesagt, ist auch echt wichtig für uns als Standort Deutschland, dass wir so eine tolle Marke, so ein tolles Haus haben. In dem Sinne kann ich mich nur echt bedanken, dass wir hier sein durften, Thomas. Ich hatte hohe Erwartungen gehabt, aber die wurden voll erfüllt, dass wir diese spannende Reise durch so ein besonderes Geschäftsmodell auch machen konnten, was ja nicht viele Unternehmen verfolgen. Aber da gerade umso mehr nochmal dieser Blick auch auf diese Berater-Journey, wo er sagt, die wir jetzt immer noch weitergehen und wie wichtig der für die Kundenerfahrung und die Customer Experience ist. Ich fand es super. Also in dem Sinne.
Dr. Thomas Stoffmehl:
[58:58] Ja, vielen Dank, dass ihr da wart und dass ihr euch auch darauf eingelassen habt, weil das muss man ja auch erstmal verstehen wollen, das Thema.