Wenn aus Campern Charaktere werden
Was macht eine gute Customer Experience aus? Bei Campinganbieter roadsurfer beginnt die Antwort nicht erst am digitalen Check-in oder an der Fahrzeugübergabe, sondern schon bei einem Gefühl: Freiheit, Abenteuer, Vorfreude. In der CX Lounge spricht Kai Vorhölter mit Dr. Susanne Dickhardt, CEO von roadsurfer, über ein Unternehmen, das in nur neun Jahren von 25 auf 10.000 Fahrzeuge gewachsen ist und dabei versucht, den ursprünglichen Startup-Spirit nicht zu verlieren.
Pre-Boarding fürs Abenteuer:
Warum gute Reisen vor der Abholung starten
Heute ist roadsurfer mit über 1.000 Mitarbeitenden, 90 Stationen und Aktivitäten in 16 Ländern längst ein Scale-up. Der Kern der Marke bleibt aber emotional: Jeder Camper hat einen Namen, jedes Fahrzeug wird zum Reisebegleiter. Aus anonymen VIN-Nummern wird „Lisa Liegestuhl“ oder „Paula Parkplatz“. Dazu kommen bunte Folierungen, Gästebücher voller Reisestories und kleine Happy Bags beim Einstieg. Denn roadsurfer weiß: Begeisterung entsteht durch Details, die aus einem Produkt eine Beziehung machen.
Und das ist jede Menge Arbeit, denn roadsurfer ist nicht nur Vermieter, sondern betreibt ein ganzes Ökosystem aus Rent, Abo, Fahrzeugverkauf und der Spot-App für legale, alternative Übernachtungsplätze. Jede dieser Linien hat eigene Zielgruppen, Journeys und Schmerzpunkte.
Im Gespräch erzählt Susanne: Die Hauptzielgruppe sind häufig 35- bis 45-Jährige aus urbanem Umfeld, viele davon sind Camping-Neulinge. Dadurch entsteht aus dem Pre-Onboarding ein entscheidender CX-Hebel. Wer noch nie einen Camper gefahren hat, muss bereits vor der Abholung verstehen, wie Gas, Wasserpumpe, Toilette oder Kühlschrank funktionieren. roadsurfers Lösung: digitale Tutorials, Online-Check-in, Boarding-Pass-Logik und Warteschlangen-Transparenz, die stark miteinander verbunden sind. Denn Orientierung reduziert Stress. Und wer vorbereitet ankommt, hat die bessere Reise.
Wenn Daten, Prozesse und Lagerfeuerromantik zusammenfinden
Die vielleicht wichtigste Branchen-Erkenntnis aus dem Gespräch in der CX Lounge: Wachstum allein ist keine CX-Strategie. Denn roadsurfer wächst weiter mit 30 bis 40 Prozent pro Jahr, verzeichnet in starken Monaten 20 bis 25 Prozent Wiederbuchungsrate und musste gleichzeitig lernen, dass frühere 4,7- bis 5-Sterne-Erlebnisse bei Google Reviews nicht automatisch mitwachsen. Gleichzeitig gefährdet Skalierung die Exzellenz, wenn Prozesse, Daten und Mitarbeitende nicht mitziehen. Deshalb misst roadsurfer heute NPS, Station Quality Score, Wartezeiten und Customer Effort im Service und denkt Customer Experience immer stärker datenbasiert.
Außerdem bleiben viele der besten Ideen aus echter Kundennähe geboren: Die Spot-App etwa entstand aus einem simplen Camper-Pain: Wo darf ich spontan, schön und legal übernachten? Heute wird daraus ein digitales Vermittlungsmodell, das auch für Nicht-roadsurfer-Kund:innen offen ist. Dabei wachsen physische Assets, digitale Services und emotionale Markenmomente zusammen. Die besten Anbieter verkaufen dann nicht mehr nur Fahrzeuge, sondern orchestrieren ein Gefühl von Freiheit, das möglichst reibungslos beginnt, unterwegs trägt und nach der Reise Lust auf das nächste Abenteuer macht.










CX Lounge
Der Customer Experience Talk
Besonders internationale Top-Brands sind für ihre perfekte Customer Experience bekannt. Aber wie machen sie das? Kai Vorhölter fragt nach: Er spricht mit den Spitzen unterschiedlicher Branchen und erfährt mehr über deren Unternehmensstrategie und wie sie Erlebnisse in ihrem Marketing und darüber hinaus schaffen.
Corinna ist Werkstudentin im Marketing bei port-neo. Sie unterstützt das Team dort, wo Kreativität, Struktur und ein gutes Gespür für Kommunikation zusammenkommen. Ob Content, Recherche, Social Media oder organisatorische Themen – Corinna bringt frische Perspektiven ein, denkt mit und sorgt dafür, dass aus Ideen sichtbare Ergebnisse werden.